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(Modul AVL 332b) 16421 HS
Der Tod als Thema literarischer Darstellung
Mi 18.00-20.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/110
Beginn: 18. April 2007
Der Tod als existentielle Grenzerfahrung war von jeher eines der zentralen Themen literarischer Darstellung, die hier zugleich an ihre ästhetischen Grenzen stößt. "Die Fiktion des Endes" scheint "auch das Ende der Fiktion" (Christiaan L. Hart Nibbrig) zu markieren. Der Dichter - selbst vom Erleben des letzten Moments ausgeschlossen - muß sich an die Schwelle zu einem unbekannten Bereich begeben und dem rätselhaften Übergang Gestalt verleihen. Dabei fungiert die Darstellung von Todeserfahrungen in der Dichtung immer wieder als Auslöser für Reflexionen über die Sinngebung des Lebens. Die Frage nach der spezifischen Bedeutung des Todes als genuiner Bestandteil des Lebens wird in den einzelnen Epochen unterschiedlich akzentuiert. So erfährt sich z.B. der Mensch des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in der meditatio mortis als ein für sein individuelles Heil verantwortliches Wesen. Im 18. Jahrhundert wird dann der Tod u.a. zum "romantisierenden Prinzip unseres Lebens" (Novalis) stilisiert. Die zunehmende Ausgrenzung und Verdrängung von Todeserfahrungen im realen Alltag des 19./20. Jahrhunderts werden z.B. von Leo Tolstoi und Rainer Maria Rilke, der das Recht auf einen "eigenen" Tod einklagt, thematisiert. Wie die vorangegangenen Jahrhunderte bietet auch das 20. Jahrhundert ein außerordentlich komplexes Bild literarischer Auseinandersetzung mit dem Tod, der sowohl metaphysische als auch antimetaphysische Interpretationen des Todesereignisses zugrunde liegen. Der Tod als ein unser Leben begrenzendes Moment hat auch in der modernen Dichtung nichts von seinem beunruhigenden Reflexionspotential eingebüßt.
Im Seminar sollen inhaltliche und ästhetische Aspekte literarischer Todesdarstellungen anhand ausgewählter Dichtungen von Andreas Gryphius, Novalis, Leo Tolstoi, Rainer Maria Rilke, Paul Celan und Gottfried Benn diskutiert werden. Die Textauswahl kann durch Vorschläge der Seminarteilnehmer ergänzt werden.
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