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16440 HS
Exzesse der Leidenschaften: Das Genre der "Histoires tragiques" im 16. und 17. Jahrhundert
Fr 12.00-14.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, JK 28/112
Beginn: 20. April 2007
MATERIAL
Seit der französischen Übersetzung und Bearbeitung der Novellen von Bandello durch Pierre Boaistuau und François de Belleforest unter dem Titel „Histoires tragiques extraictes des œuvres italiennes de Bandel“ (1559) ist die Bezeichnung „Histoires tragiques“ in Frankreich zum Namen eines eigenen Genres von Erzählungen mit abenteuerlichen Verwicklungen und grausigem Ende geworden. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstehen mehrere Sammlungen solcher „tragischer Geschichten“. Ein wahrer Bestseller der Gattung waren „Les Histoires mémorables et tragiques de ce temps“ (1619) von François de Rosset. Der Autor verarbeitet zeitgenössische Kriminalfälle, Liebesgeschichten und Gewaltverbrechen zu einem Theater der Grausamkeit, in dem Leidenschaften vom Menschen Besitz ergreifen und ihn gegen moralische und soziale Regeln handeln lassen. Statt diese Novellen, wie man es lange getan hat, auf „trivialliterarische Reportagen“ und den „Reiz des Grausigen“ zu reduzieren, soll es in dem Hauptseminar darum gehen, ihre Darstellungsstrategien und Erzählverfahren, ihre moralischen Bewertungsmuster sowie ihre historischen und anthropologischen Voraussetzungen zu untersuchen.
Textausgaben zur Anschaffung: François de Rosset, Histoires tragiques, hg. von Anne de Vaucher Gravili, Paris: Le livre de poche, 1994 und Christian Biet, Hrsg., Théâtre de la cruauté et récits sanglants en France (XVIe–XVIIe siècles), Paris: Laffont, coll. Bouquins, 2006. Alle anderen Texte werden in einem virtuellen Reader im Internet zur Verfügung gestellt. Da es keine deutschen Übersetzungen der Texte gibt, müssen Lesekenntnisse des Französischen vorausgesetzt werden.
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