|
(Modul AVL 111a) (17045) PS
Philipp Jeserich
Paradigmen französischer Literaturkritik im 19. Jahrhundert
Mi 14.00-16.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/235
Beginn: 18. April 2007
Parallel zur Konstitution eines Autonomie reklamierenden literarischen Diskurses, zum Aufkommen gedruckter Massenmedien und zur Erneuerung der Universitäten entsteht eine Literaturkritik, zu deren Protagonisten neben den Literaten selbst bald professionelle Kritiker, universitäre ‚Literaturwissenschaftler’, ‚Psychologen’ und Historiker, Politik und Kirche, selbst die Naturwissenschaftler zählen. Literaturkritik wird zum Austragungsort von Debatten, die literarästhetische Fragen zum Anlass für Debatten gesamtgesellschaftlicher Tragweite nehmen: Debatten um die moralische Relevanz und Verantwortung der Kunst im allgemeinen und der Literatur im besonderen, die Diskussion um die agonalen Positionen von l’art pour l’art und Engagement, den Wert des Wortkunstwerkes als historische Quelle, die kritische Infragestellung der gerade erst reklamierten Autonomie des Literaten durch die Einbeziehung soziologischer, klima- und rassentheoretischer, ideologiekritischer und psychologischer Erwägungen, die Frage nach dem Nationalcharakter einer Literatur machen die Literaturkritik zum Spiegel der Brüche und Antagonismen der französische Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Die Vielfalt der konkurrierenden Paradigmen führt zudem zu einer auf hohem Niveau geführten Methodendiskussion, deren Ergebnisse zum einen in der Kritik bis in die Gegenwart nachwirken, zum anderen der Entwicklung der universitären Literaturwissenschaft maßgebliche Impulse gegeben haben.
Bearbeitet wird eine in Absprache mit den Teilnehmern zu treffenden Auswahl von Texten, etwa von Jean-François de la Harpe (1739-1803), Joseph Joubert (1754-1824), Marie-Joseph Chénier (1764-1811), Madame de Staël (1766-1817), François-René de Chateaubriand (1768-1848), Charles-Augustin Sainte-Beuve (1804-1869), Désiré Nisard (1806-1888), Théophile Gautier (1811-1872), Charles Baudelaire (1821-1867), Hippolyte Taine (1828-1893), Paul Bourget (1852-1935), Jules Lemaître (1853-1914), Gustave Lanson (1857-1934) und Marcel Proust (1871-1922).
Das Proseminar richtet sich an Studierende der Französischen Philologie und der AVL. Für die Scheinvergabe gelten die üblichen Bedingungen; Französischkenntnisse sind unabdingbar. Zur Vorbereitung empfohlen sei Jean-Thomas Nordmann: La Critique littéraire française au XIXe siècle (1800-1914), Paris 2001.
|