16700 Vorlesung
Theorien des Schönen (II)
Der Begriff des Schönen ist aus der heutigen Ästhetik, Poetik und Literaturtheorie weitgehend verschwunden. Darin reflektiert sich nicht nur eine Distanzierung von seiner 'idealistischen' Erbschaft, sondern mehr noch eine Resignation gegenüber dem Versuch, seiner überhaupt habhaft zu werden.
Mit Benjamin und Adorno ist dagegen zu fragen, ob der Verzicht auf den vormaligen Leitbegriff der Ästhetik nicht ein (zu) hoher Preis für ihre 'Modernisierung' ist, ob nicht der Versuch seiner - wie immer scheiternden und wie immer 'historischen' - Bestimmung Reflexionspotentiale enthält, die in seiner bloßen Ersetzung oder Verabschiedung verlorengehen.
Eine solche Frage steht am Horizont einer kursorischen Darstellung der Theorien des Schönen im 18. Jahrhundert. Während der Begriff des Schönen in der Antike seinen Ort nicht in Poetik oder Rhetorik, sondern in Mythologie, Kosmologie, Dichtung und Philosophie hatte, entwickelt sich im 18. Jahrhundert eine eigenständige 'Disziplin' der Ästhetik.
Diese bringt in Deutschland, England und Frankreich eine Fülle von Abhandlungen hervor, die oft ausschließlich dem 'guten Geschmack' und dem ästhetisch Schönen gelten. Die wirkungsvollsten dieser Abhandlungen - von Addison, Baumgarten, Crousaz, Hogarth, Mendelssohn, Lessing, Burke, Hutcheson, Diderot, Karl Philipp Moritz, Kant, Schiller, F. Schlegel - sind Gegenstand der Vorlesung.