16722 Proseminar
Literatur und Dummheit
Wer öffentlich die Frage nach der Dummheit aufwirft, liefert sich der unbeherrschbaren Performanz dieser Frage aus: Welchen Status beansprucht der Fragende für seinen Diskurs?
Verstrickt sich nicht derjenige, der ihr 'Unwesen' zu fassen und Abgrenzungskriterien zu entwickeln versucht, in unauflösbare Widersprüche?
Wo eigentlich verläuft die Grenzlinie zwischen Wissen und Dummheit, und steht nicht mit der Frage nach der Dummheit zugleich das Wissen über das Wissen selbst auf dem Spiel?
Was schließlich verrät der Vorwurf der Dummheit über die Unterscheidungs- und Ausschlußpraktiken einer Gesellschaft?
In diesem Seminar soll der selbstreflexive Umgang der Literatur mit Dummheit zur Debatte stehen und der Versuch unternommen werden, die jeweiligen Textstrategien in ihrem historischen Kontext anzusiedeln.
VORLÄUFIGE TEXTAUSWAHL:
- Erasmus von Rotterdam: Lob der Torheit.
- Sebastian Brant: Das Narrenschiff.
- Jean Paul: Das Lob der Dummheit.
- Flaubert: Bouvard et Pécuchet.
- Robert Musil: Rede über die Dummheit.
- ... die dadaistischen Manifeste.
- Ermanno Cavalzzoni: Vite brevi di idioti.
Das Proseminar wir von einem Tutorium begleitet.