16726 Proseminar
Die Außerirdischen -
eine Faszinationsgeschichte (Literatur, Kosmologie, Film)
Aliens wurden nicht erst von der modernen 'Science Fiction' erfunden, sondern spielen schon eine wichtige Rolle für die (langsame) Durchsetzung des kopernikanischen Weltbildes im Bewußtsein der Zeitgenossen: Im 17. und 18. Jahrhundert bevölkern sie die Phantasie von Astronomen (Kepler), Literaten (Cyrano de Bergerac, Francis Godwin) und Philosophen (Fontenelle, Herder, Kant).
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts inspiriert die vermeintliche Entdeckung von künstlich angelegten Kanälen auf dem Mars die Romane (von Kurd Laßwitz und H.G.Wells), in deren Gefolge wir heute 'Marsmenschen' als pars pro toto für Außerirdische schlechthin verwenden.
Im 20. Jahrhundert inszenieren etwa Paul Scheerbart und Stanislaw Lem die Frage, wie anders ein intelligentes Wesen konzipiert werden kann, um noch als intelligentes Wesen begriffen zu werden. Daneben erobern die E.T.s die verschiedensten Medien (Comic, Hörspiel, Film, Fernsehen), beschäftigen aber auch eine Wissenschaft ("SETI": Search for Extraterrestrial Intelligence), die sich dadurch auszeichnet, daß ihr nichts fehlt außer einem Gegenstand.
Die vergleichende Literatur- (und Medien-) Wissenschaft ist demgegenüber in der glücklichen Lage, die fiktiven E.T.s zu ihrem Gegenstand wählen zu können. Da die Außerirdischen von der Empirie ungetrübt sind, lassen sich die Motivationen und Bedingungen ihrer Erfindung an ihnen besonders klar ablesen.
ZUR EINFÜHRUNG:
- Justus Fetscher und Robert Stockhammer (Hrsgg.): Marsmenschen. Wie die Außerirdischen gesucht und erfunden wurden.
Leipzig (Reclam) 1997. (mit weiteren Literaturhinweisen).