16750 Hauptseminar
Martin v. Koppenfels
Rabelais: 'Gargantua' und 'Pantagruel'
Das jeden Gattungsbegriff sprengende Werk des Mönchs, Humanisten und Mediziners François Rabelais (1483-1553), von unabsehbarer Bedeutung für die Entwicklung des europäischen Romans, setzte zugleich Maßstäbe im kreativen Umgang mit einer sich eben erst vom Lateinischen emanzipierenden Volkssprache, die wohl nie wieder erreicht worden sind.
Das Seminar wird die gemeinsame Lektüre auf die beiden ersten Bände, Pantagruel und Gargantua (1532, 1534), beschränken. Im Zentrum der Arbeit soll, neben gattungstheoretischen Fragen, die Semiotik des Körpers stehen, jener Prozeß, in dem eine monströse Schreibpraxis und eine groteske Körperphantasie zu einem monumentalen literarischen Exzeß zusammentreten. Michail Bachtins Rabelais und seine Welt (Suhrkamp 1987) sei zur Einführung empfohlen (zu Bachtin vgl. auch Brian Pooles Seminar Bachtin in diesem Semester).
Das Seminar ist auf genaue Textlektüre und d. h. auf die Bereitschaft zur Kontaktaufnahme mit der erstaunlichen Sprachwelt der französischen Renaissance angelegt. Französischkenntnisse sind daher für die Teilnahme unerläßlich.
ZUR ANSCHAFFUNG empfohlen: die TB-Ausgaben des Gargantua und Pantagruel bei Gallimard-Folio. Ihre ausführliche Kommentierung erleichtert den Einstieg.