16753 Hauptseminar
Uta Werner
Walter Benjamins 'Trauerspielbuch'
Walter Benjamin war sich der 'maßlosen Chuzpe' durchaus bewußt, die der Ursprung des deutschen Trauerspiels, eines der schwierigsten und dichtesten Schriften seines Œuvres, für die Verstehensbemühungen bedeutet. Seinen Lesern empfahl er einmal selbstironisch, zumindest die "Erkenntniskritische Vorrede" des Trauerspielbuches als letztes zu lesen; ein zwar hilfreicher, aber insofern hintergründig aporetischer Tip, als in ihr die methodologischen Grundlagen entfaltet sind.
Ohne sie läßt sich die Erkenntnisbewegung des Buches schwerlich nachvollziehen. Nichtsdestotrotz werden wir gemäß dieser Leseanweisung einen Lektüreeinstieg wählen, der nicht ausschließlich diskursiv fortschreitet. Die von Benjamin herausgelöste 'Formensprache' des deutschen und spanischen barocken Trauerspiels etwa soll gleichzeitig konfrontiert werden mit philologischen Fragen nach dem von ihm ausgewählten Textcorpus.
Darüber hinaus wird auch die eigentümliche textuelle Selbstreflexivität im Zentrum stehen, mit der das Trauerspielbuch einen 'schwindelnden Tiefsinn' inszeniert, von dem es selbst handelt.
ZUR VORBEREITUNG:
- Walter Benjamin: Ursprung des deutschen Trauerspiels.
in: W. B.: Ges. Schriften. Unter Mitwirkung von T. W. Adorno u. G. Scholem.
Hrsg. v. R. Tiedemann u.a., Band I/1 (S. 203-430) und Band I/3 (S. 868-981). Frankfurt am Main 1972,
bzw.: W. B.: Ursprung des deutschen Trauerspiels. (stw 225).]
- Daniel Casper v. Lohenstein: Sophonisbe. (reclam 8394)
- Pedro Calderón de la Barca: Das Leben ist ein Traum. (reclam 65).
WEITERFÜHREND:
- Winfried Menninghaus: Walter Benjamins Theorie der Sprachmagie.
Frankfurt am Main 1986.
- Hans-Joachim Müller: Das spanische Theater im 17. Jahrhundert oder zwischen göttlicher Gnade und menschlicher List.
Berlin 1977.