Nachtrag Hauptseminar
Diskursanalyse und Literatur
Die Diskursanalyse wurde von Michel Foucault entwickelt, um den historischen Wandel von Formationen des Wissens und der Macht zu beschreiben, die einem weniger kontrollierten Blick entgehen würden.
Sie ist also - trotz des Ansehens, dessen sie sich in manchen Bezirken der Philologien gegenwärtig erfreut - nicht in erster Linie eine literaturwissenschaftliche Methode; und wenngleich es eine deutschsprachige Sammlung mit Foucaults Schriften zur Literatur (München 1974 u.ö.) gibt, so sind die meisten dieser Aufsätze nicht unbedingt exemplarisch für diskursanalytisches Vorgehen.
Im Zentrum des Seminars wird deshalb vielmehr eine einläßliche Beschäftigung mit Foucaults Hauptwerk Les mots et les choses stehen (dt. Die Ordnung der Dinge. Frankfurt am Main 1971 u.ö. [stw 96]; TeilnehmerInnen, die flüssig Französisch lesen, werden aber gebeten, die Originalausgabe, Paris [Gallimard] 1966 u.ö., zu verwenden).
Die verschiedenen Orte und Funktionen, die der Literatur in diesem Gebäude explizit oder implizit zugeschrieben werden, lassen sich nur genau bestimmen, wenn der Bauplan des Ganzen deutlich wird. Erst vor diesem Hintergrund läßt sich die Frage danach diskutieren, was man mit der Diskursanalyse in literaturwissenschaftlichem Interesse 'anfangen' kann, wie sie sich inbesondere mit dem Anspruch auf genaue Lektüre literarischer Texte verträgt.
Die Dynamik der gemeinsamen Beschäftigung mit Les mots et les choses wird darüber entscheiden, welche weiteren Texte in die Diskussion einzubeziehen sind: literarische und/oder nicht-literarische Quellen, die dort verhandelt werden, andere Arbeiten Foucaults und/oder solche von Literatur- und Medienwissenschaftlern, die (wie z.B. Friedrich Kittler oder Jürgen Link) von Foucault inspiriert wurden.