16421 Proseminar
Typographie
Die typographische - graphematische - Dimension von Texten wird von der Literaturwissenschaft traditionell übersehen. Phonetische Parameter wie Metrik und Reim analysieren zu können, gehört zum Handwerkszeug jedes Philologen, nicht jedoch die Unterscheidung einer Renaissance-Antiqua von einer Groteskschrift.
Das Seminar führt in Geschichte und Grundbegriffe der Typographie ein zum Zweck des literatur-historischen und textanalytischen Erkenntnisgewinns. Dabei steht die Lektüre literarischer Werke, deren Schriftbild integrales poetisches Gestaltungsmittel und ästhetisches Manifest zugleich ist, im Mittelpunkt des Seminarprogramms: von Sebastian Brants Narrenschiff und Francesco Colonnas Hypnerotomachia Poliphili bis zur Lyrik des George-Kreises, der Figurendichtung Mallarmés und Apollinaires, den Schriftgedichten von Marinetti, Schwitters, El Lissitzky und des Vortex, der konkreten Poesie und typo-experimenteller Erzählprosa der amerikanischen Postmoderne.
Musterbücher und typographische Programmschriften von Aldus Manutius, Eric Gill, Jan Tschichold, Hermann Zapf, David Carson und anderen werden vergleichend gelesen.
ZUR EINFÜHRUNG
- Jan Tschichold: Die neue Typographie.
1928,
Reprint: Berlin (Brinkmann und Bose) 1987.
(Siehe auch bei den Seminararbeiten.)