16422 Proseminar
Shakespeares Selbstdekonstruktion
Shakespeares Dramen sind Musterbeispiele 'mehrfacher Lesbarkeit', Extremfälle von 'Polysemie'. Vier ausgewählte Texte sollen daraufhin untersucht werden, mittels welcher Strategien sie gleichzeitig gegensätzliche Deutungsangebote lancieren und ihre eigenen Sinnkonstruktionen fortwährend selbst unterlaufen bzw. 'dekonstruieren':
- Henry V
(affirmative und subversive Lesart des Politischen)
- Romeo & Juliet
(Feier und Destruktion des romantischen Mythos der 'wahren Liebe')
- The Merchant of Venice
(scheinbar antisemitische und subtil analytische Strukturen)
- Othello
(Iagos Manipulation und Othellos Assimilationstragödie).
Verschiedene literaturwissenschaftliche Ansätze (v.a. 'Deconstruction' und 'New Historicism') sollen im Bezug auf die Texte eingehend diskutiert werden. Thematische Theorien (über Politik, Liebe, Antisemitismus und Stigma-Management) werden herangezogen, praktische Umsetzungen in Theater und Film berücksichtigt.
Der Kurs ist als Einführung in Shakespeare sowie in literaturwissenschaftliche Theorien und Arbeitsmethoden gedacht. Er bietet Gelegenheit, die Techniken, Terminologien und Geltungsansprüche prominenter literaturwissenschaftlicher Methoden - und auch der eigenen Arbeit! - kritisch zu reflektieren. - Das Proseminar wird begleitet durch ein studentisches Tutorium.
ZUR VORBEREITUNG sei die Lektüre der zu behandelnden Shakespeare-Dramen in der Arden-Edition bzw. in der zweisprachigen Reclam-Ausgabe empfohlen. Die theoretischen Texte werden im Seminar besprochen und im Handapparat vorab verfügbar gemacht.