16430 Übung
Renate Bauer
Hermetik der Moderne
Hermetische Dichtung und Literatur ist kein klar kodifiziertes Genre. Ihr Begriff ist beinahe so undurchsichtig und unbestimmt wie das Dunkel, das ihr zugeschrieben wird.
Gegenstand des Seminars wird die nähere Bestimmung sein, ausgehend hauptsächlich von modernen Autoren. Die in Literatur und Dichtung zu beobachtende, jedoch häufig übersehene Koinzidenz des 'Dunklen' mit Einflüssen aus den hermetischen Traditionen, sowie die These, die Literatur werde mit der neuzeitlichen Verbannung des Hermetischen von der kulturellen Vorderbühne des Okzidents zum Exil, 'schwarzen Kontinent' und privilegierten Ort einer Hermetica ratio, werden Ausgangspunkte der Lektüre sein.
Anhand von Texten wie Dino Campanas Orphic Songs (in der Übersetzung des amerikanischen Lyrikers Charles Wright), René Daumals Mont Analogue, Oskar V. de Lubicz-Milosz' Ars Magna, Maeterlincks Le Grand Secret, Michaux' Misérable miracle, einigen späten Skizzen Antonin Artauds und David Lynchs Film Lost Highway soll eine allgemeine Einführung in die Themenstellung des Seminars gegeben werden.
Ein spezielleres Interesse widmet sich der Gnosis in modernen Texten. Dazu sollen gelesen werden: Lawrence Durrells The Black Book, Joë Bousquets Le Cahier Noir und andere Teile aus dem erotischen Werk des noch immer relativ unbekannten Dichters, Sade, Fouriers Le Nouveau Monde Amoureux, Bataille, und Simone Weils La Connaissance Surnaturelle. Rückblenden in den Gnostizismus des 1. und 2. nachchristlichen Jahrhunderts sind unentbehrlich.