[FU-Logo] Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende
Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin
Home E-Mail Kontakt
Institut
Veranstaltungen
Gastvorträge
Studienplaner
Archiv
  Vorlesungs-
verzeichnisse
  Sprachklausuren
  Seminararbeiten
  Samuel Fischer-
Gastprofessuren

  Samuel Fischer-
Gastvorträge
  Gastvorträge
  complit > veranstaltungen > kvv > lv-sose2000 >  

16431 Übung

Bernd Blaschke

Musik als Gewalt und Gemeinschaft.
Von Wackenroder bis Rainald Goetz


Musik wird in literarischen und kunsttheoretischen Texten seit der Antike häufig als die wirkungsmächtigere Schwesterkunst der Dichtung imaginiert. Die Gewalt der Musik resultiert in diesen Vergleichen meist aus der Adressierung der Musik ans Unbewußte der Rezipienten. Die höhere kognitive Leistung der sprach-, bedeutungs- und bewußtseinsbasierten Literatur wird aus wirkungsästhetischem Blickwinkel durch die größere affektive Kraft der Musik überboten.

Dichter, die an das Medium der Sprache gebunden sind, haben diese Wirkungsmacht der Konkurrenz immer wieder zum Gegenstand ihrer Texte gemacht: Dabei überwiegt manchmal der Neid auf die Tonkunst (so klarerweise bei Goetz), manchmal wird diese Sehnsucht nach der Musik auch mit Warnungen vor ihrer gefährlich destruktiven Macht (Kleist) oder Todestrunkenheit (Mann) überblendet. Dichter haben neben der thematischen Darstellung von Musiken und ihren Wirkungen dabei stets auch versucht, ihrer eigenen Sprache durch Anleihen bei Musikmitteln (Rhythmen, Klänge, Harmonien) Wirkungskräfte der Musik einzuverleiben.

Neben der überlegenen Wirkungsmacht soll als weitere rezeptionsästhetische Kategorie die gemeinschaftsstiftende Rolle der Musik im Mittelpunkt der Lektüren stehen. Nach zwei Sitzungen, die sich einer historischen und methodisch-systematischen Einführung und einem Überblick zum Thema Musik und Literatur widmen, sollen die einschlägigen Passagen der Ästhetiken von Hegel, Schopenhauer und Nietzsche in Hinblick auf den Wirkungsvergleich von Musik und Literatur studiert werden.

Die Auswahl literarischer Texte (pro Woche ca 30-40 Seiten) umfaßt Wackenroders ästhetisch-poetische Mischwerke, Kleists "Cäcilien"-Erzählung sowie Thomas Manns Tristan und endet mit Rainald Goetz' Gegenwarts-Prosa Rave.

Musikologische Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt, wohl aber die Bereitschaft, pro Woche 30-40 Seiten (literarische oder theoretische) Texte zu studieren.

ZUR ANNÄHERUNG AN DAS KOMPARATISTISCHE ARBEITSFELD DER BEZIEHUNGEN VON MUSIK UND LITERATUR:

  • Enrico Fubini: Geschichte der Musikästhetik. Von der Antike bis zur Gegenwart.
    Stuttgart und Weimar 1997.
  • Albert Gier und Gerold W. Gruber (Hrsg.): Musik und Literatur. Komparatistische Studien zur Strukturverwandschaft.
    Frankfurt am Main u.a. 1995.
  • Barbara Naumann (Hrsg.): Die Sehnsucht der Sprache nach der Musik. Texte zur musikalischen Poetik um 1800.
    Stuttgart und Weimar 1994.


[ Institut | Veranstaltungen | Gastvorträge | Studienplaner | Archiv ]
[ Home | Anfang der Seite ]

Impressum
© Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
der Freien Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin