16433 Übung
Lothar Müller
Literaturkritik
Der Kurs wird zwei Schwerpunkte haben:
- Einführung in Theorie und Geschichte der Literaturkritik seit Lessing.
- Einführung in das Praxisfeld 'Literaturkritik' unter den aktuellen medialen Bedingungen in der Bundesrepublik Deutschland
- der Printmedien (Zeitungen, Zeitschriften)
- der audivisuellen Medien (Radio, Fernsehen)
- des Internet.
1. Dieser Schwerpunkt ist komparatistisch und poetologisch ausgerichtet. Der Hauptstrang - Geschichte und Theorie der deutschsprachigen Literaturkritik - wird sowohl zum Spektrum des angelsächsischen 'literary criticism' wie der französischen Literaturkritik in Beziehung gesetzt. Fluchtpunkt sind die in den achtziger Jahren aufgekommenen Thesen vom Verschwinden der klassischen Literaturkritik zugunsten der Figur des 'Zirkulationsagenten'.
2. Im gegenwärtigen Praxisfeld ist die 'Literaturkritik' mit dem Genre Literaturkritik längst nicht mehr identisch. Höchst erfolgreich ist zum Beispiel die Revitalisierung nicht-schriftlicher, auf die Gesprächsform gegründeter Traditionen der Verschränkung von Literaturkritik und literarischer Geselligkeit. Auch ist, vor allem im Internet, 'Literaturkritik betreiben' als performativer Akt nicht mehr an die Figur des Kritikers gebunden.
Der zweite Schwerpunkt soll in diese mediale Pluralisierung der Literaturkritik unter der Hypothese einführen, daß der Tendenz der Literaturkritik zum 'Performativen' in der Gegenwartsliteratur selbst die Tendenz zum Bündnis der Literatur mit den darstellenden Künsten entspricht.
Auf Wunsch können in den zweiten Schwerpunkt Elemente der Simulation mit dem 'Ernstfall' (= Arbeit in einer Literatur-Redaktion) aufgenommen werden. Bei entsprechender technischer Ausstattung des Instituts und entsprechenden Layout-Kenntnissen einzelner Sutdierenden ist als eines der Seminarziele die Produktion einer selbst geschriebenen 'Literaturbeilage' zur literarischen Frühjahrsproduktion des kommenden Jahres denkbar.