16451 Hauptseminar
Céline, 'Voyage au bout de la nuit'
Der unsympathischste Klassiker der modernen französischen Literatur - so etwa lautet der zweifelhafte Ruhmestitel des Louis Ferdinand Destouches, alias Céline (1894-1961).
Berühmt als Romancier von unbestreitbarem Rang, berüchtigt als Autor wüster antisemitischer Hetzschriften vor und während der deutschen Okkupation, erscheint er als literarische Verkörperung französischer Traumata. Die alte Frage, wie sich literarische Qualität zu politischer Position verhält, bleibt im Fall Célines peinlich virulent; auch unsere Lektüre wird sie nicht übergehen können.
Das Seminar wird sich auf den Erstling Voyage au bout de la nuit (1932) konzentrieren, aber auch die um Céline geführte Antisemitismus- und Kollaborationsdebatte einbeziehen.
Themen der Lektüre:
- Célines Sprachrevolte (Argot)
- die Pathologie der Erzählerstimme (Angst, Ekel, Aggression, Delirium)
- die Darstellung von Krieg und Kolonialismus
- die Diskurse der Medizin und der Psychiatrie
- literarischer und politischer Radikalismus.
ZUR VORBEREITUNG: Lektüre des Romans (Ausgabe: Gallimard-Folio 1997).
ZUR EINFÜHRUNG:
- Henri Godard: Voyage au bout de la nuit de Céline.
Gallimard (Foliothèque 2) 1991.
- Biographische Anhaltspunkte in: Hanns Grössel: Auf der richtigen Seite stehen.
Frankfurt am Main und Paris 1981.
- Ferner: Jean-Paul Sartre: "Portrait de l'antisémite".
in: Réflexions sur la question juive.
Paris 1954, S. 7-65.