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16454 Hauptseminar

Gert Mattenklott

Kunst und Diktatur im 20. Jahrhundert


Nach vielen leidenschaftlichen Debatten über das Verhältnis von Kunst und Macht im 20. Jahrhundert zeigt sich an dessen Ende: Die Diktaturen bedurften der Künste in keinem wesentlichen Sinn, weil ihre Herrschaft auf sie nicht angewiesen war. Zum anderen wissen wir heute, dass die Künste die Macht in Wirklichkeit nicht hatten, die sie den Diktaturen antrugen oder verweigerten. Das entlastet und entspannt die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Verhältnis von Kunst und Diktatur in dieser Zeit.

Das Thema des Seminars ist übergroß formuliert: nicht mehr als eine Parole für mögliche Studien, die hier eher angeregt als schon bis zu einem handfesten Ergebnis durchgeführt werden sollen. Der Rahmen ist nicht literaturpolitisch oder institutionengeschichtlich definiert, sondern personalistisch. Im Zentrum des Interesses stehen Autoren, die - zumindest in ihrem Selbstverständnis - die aufklärerische Tradition 'freier Geister' bewahren wollten. In ihrer Mehrzahl sind es Pendler zwischen den Fronten der großen Ideologien, auf die politisch kein Verlass war. War dieses Pendeln das Ergebnis intellektueller Schwäche, politischer Entschlusslosigkeit, moralischer Verwirrung und literarischer Haltlosigkeit oder Zeugnis von unbestechlicher Vernunft - oder beides?

Die Auswahl der Autoren ist unter diesem Gesichtspunkt unzuverlässig. Ihr liegt nicht viel mehr als ein Verdacht zugrunde, der sich im Laufe des Semesters erhärten oder als unbegründet herausstellen soll. - Am liebsten wäre mir, wenn sich für die vorgeschlagenen Autoren Interessenten finden würden, die das Verhältnis von politischen Optionen und literarischer Biographie exemplarisch untersuchen würden.

Die engere Auswahl und der Plan des Seminars sollen in der ersten Sitzung verabredet werden. Vorgeschlagen werden:

  • Gottfried Benn
  • Georges Bernanos
  • Arnold Bronnen
  • Albert Camus
  • Pierre Drieu La Rochelle
  • André Gide
  • Knut Hamsun
  • Ernst Jünger
  • Arthur Koestler
  • Vladimir Majakovskij
  • Valeriu Marcu
  • Giovanni Papini
  • Ezra Pound

LITERATUR:

  • Margaret Boveri: Verrat im 20. Jahrhundert. Reinbek 1956 (und später).
  • Pierre Bourdieu: Die Intellektuellen und die Macht. Hg. Irene Dölling. Hamburg 1991.
  • Boris Groys: Gesamtkunstwerk Stalin. München 1988.

Verabredungen für Hausarbeiten sind bitte in meinen Sprechstunden zu treffen. - Für die Klausur am 18. Juli 2000 stelle ich die folgenden Themen zur Auswahl:

  • Phantasien über den 'neuen Typus' (z.B. Ernst Jüngers Arbeiter; Gottfried Benns 'neuer biologischer Typ'; Pierre Drieu LaRochelles 'chef')
  • 'Geist an die Macht' (z.B. Valeriu Marcu, Albert Camus, Ezra Pound)
  • Belebung des Ursprungs (André Gide, Ezra Pound, Knut Hamsun, Gottfried Benn)


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