16429 Proseminar
Baudelaires Ästhetik
Vielen gilt Baudelaire als der erste Lyriker der Moderne, anderen sogar als Vermittler einer ästhetischen Erfahrung, die in ihrer Radikalität und Intensität selbst in der literarischen Praxis und ästhetischen Theorie bei Autoren des 20. Jahrhunderts ihresgleichen sucht. Unbestreitbar stellen Baudelaires Beiträge zur Ästhetik der Moderne Schlüsseltexte dar, ohne deren Kenntnis es nicht möglich ist, die nachromantische Moderne zu verstehen.
Unser Seminar versteht sich als Einführung in das Werk Baudelaires und möchte den Blick der Teilnehmer für die Differenz schärfen, die Les fleurs du mal von der romantischen Lyrik trennt: Der Dichter greift deren Topoi auf und verwandelt sie in ironisch-melancholische Reflexionsfiguren, die das lyrische Sprechen radikal neu strukturieren.
Um die Baudelaireschen Kategorien des Flüchtigen, des Schocks, der Melancholie, der Revolte und des Komischen in ihrer ästhetischen Sprengkraft einordnen zu können, werden wir neben ausgewählten Gedichten aus Les fleurs du mal auch einige Petits poèmes en prose und den Essay über Lessence du rire behandeln. Ein Exkurs soll Baudelaires prominentestem Interpreten, Walter Benjamin, und seinem Allegoriebegriff gewidmet werden.
ZUR ANSCHAFFUNG sei die Les fleurs du mal-Ausgabe in der Collection Poésie (Gallimard n. 85) empfohlen. Einen ersten Überblick über verschiedene Deutungsansätze bietet der Suhrkamp-Materialienband: Baudelaires Blumen des Bösen, herausgegeben von Hartmut Engelhardt und Dieter Mettler, Frankfurt am Main 1988.