16451 Hauptseminar
Theorie der poetischen Sprache
Am Anfang der Menschheitsgeschichte war das poetische Wort. Mit dieser Wendung gegen die eigene Metaphysik, die noch die Minderwertigkeit menschlicher Sprachen gegenüber der göttlichen Schöpfungssprache betont hatte, begründet der Rhetorikprofessor Giambattista Vico in der Scienza nuova (1725 und 1744) eine umfassende Kulturtheorie, die die Genese wie den Zusammenbruch menschlicher Institutionen allein von den Schicksalen der Sprache abhängig macht.
Doch nicht nur Vico im fernen Neapel, auch der Erkenntnistheoretiker Condillac und der Zivilisationskritiker Rousseau in Paris, in Deutschland der spätere Weimarer Konsistorialpräsident Herder behaupten, die (menschliche) Sprache sei, zumindest an ihrem Ursprung, eine poetische Sprache, die Sprache der Dichtung, gewesen.
Das Seminar wird versuchen, die Implikationen dieser Theorien der poetischen Sprache zu entwickeln und vor dem Hintergrund der modernen Sprachphilosophie und Semiotik zu diskutieren.
ZUR EINFÜHRUNG EMPFOHLEN:
- Tilman Borsche (Hg.): Klassiker der Sprachphilosophie. Von Platon bis Noam Chomsky.
München 1996.