16455 Hauptseminar
Literarische Phantastik
Der Begriff der phantastischen Literatur hat sich innerhalb der Literaturwissenschaft erst sehr spät etabliert. Seit Ende der 40er Jahre entwickelte sich jedoch insbesondere in der französischen, englischen, aber auch in der deutschen Fachliteratur eine rege Diskussion über die Geschichte und die Poetik phantastischer Dichtung.
Im Seminar sollen zunächst verschiedene Definitionen des Phantastischen und der phantastischen Literatur, z.B. von Tzvetan Todorov, Andrzej Zgorzelski, Marianne Wünsch diskutiert und anhand ausgewählter Erzählungen von E.T.A. Hoffmann, Villiers de L'Isle-Adam sowie Gérard de Nerval überprüft werden.
Nach einer allgemeinen Einführung in grundlegende Theorien des Phantastischen soll in der zweiten Hälfte des Seminars anhand der Romane Der Meister des Jüngsten Tages und Sankt Petri-Schnee von Leo Perutz diskutiert werden, inwieweit diese Theorien und das von ihnen entwickelte Begriffsinstrumentarium dazu geeignet sind, signifikante Erzähl- und Sinnstrukturen von Texten der frühen Moderne zu erfassen, oder ob durch deren Zuordnung zu den Erzählmodellen der Phantastik nicht der Blick für die Spezifik der Auflösungserscheinungen realistischen Erzählens zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstellt wird.
ALS VORBEREITENDE LEKTÜRE empfohlen:
- Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages.
München 1995
- Leo Perutz: Sankt Petri-Schnee.
München 1994.
Die Romane liegen ab März 2001 zur Einsicht in der Bibliothek des Instituts bereit.