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16457 Hauptseminar

Jana Ziganke

Aphoristik


Aphoristik leitet sich aus dem Griechischen her - aphorizein: bestimmen, eingrenzen - und war ursprünglich kein literarisches Genre, sondern ein medizinischer Erfahrungssatz aus dem Corpus Hippocraticum. Die Minimaldefinition ihrer ästhetischen Variante lautet: "eine kontextuell isolierte, nichtfiktionale, konzise, pointierte literarische Prosaform" (Helmich, 1991).

In unserem Seminar stehen Gattungsbewußtsein und Gattungsreflexion dieser zwischen Detail und System oszillierenden, attraktiven Kurzform des Schreibens zur Debatte. Kann aphoristisches Schreiben auf ein rhetorisches Arsenal an Denkfiguren reduziert werden, wie es das Maximenmodell der französischen Moralistik des 17. Jahrhunderts nahezulegen scheint, oder ist es nicht vielmehr ein experimentelles Denkverfahren, dessen erkenntniskritische Potentiale von Autoren wie beispielsweise Lichtenberg, Schlegel, Nietzsche, Valéry oder Canetti ausgelotet werden?

Wie läßt sich die Spannung zwischen ästhetischem und kognitivem Anspruch in dieser ’paradoxesten Gattung’ der Literatur differenziert beschreiben, und welche Kommunikationsebenen eröffnen sich zwischen Leser und Text? Vorab sei der Genuß an den ’Splittern’, ’Lichtstrahlen’, ’Fingerzeigen’, ’Funken’ und ’Grillen’ unserer kurzen Lektüretexte garantiert ...

Die endgültige Textauswahl soll mit den Teilnehmern zu Beginn des Semesters gemeinsam festgelegt werden. Willkommen sind Anregungen, allerdings sollten sie mit mir möglichst schon vor der ersten Sitzung in der Semesterferiensprechstunde abgesprochen werden.

Unter den literaturwissenschaftlichen Studien zur Aphoristik für den deutsch- bzw. französischsprachigen Bereich sei jeweils eine Untersuchung empfohlen:

  • Gerhard Neumann: Ideenparadiese. Untersuchungen zur Aphoristik von Lichtenberg, Novalis, Friedrich Schlegel und Goethe.
    München 1976.


  • Werner Helmich: Der moderne französische Aphorismus.
    Tübingen 1991.


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