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16422 Proseminar

Florian Cramer

Computer und Literatur


Nach dem Morsefunk ist der Computer die erste Informationstechnologie der Moderne, die auf einem Code basiert und sich somit textuell konfiguriert. Die Nullen und Einsen des Binärcodes werden im Computer nicht nur prozessiert, sondern steuern zugleich auch alle Prozessierung. So steht in diesem Seminar zur Debatte, ob sich selbstaufführbarer Computercode mit literaturwissenschaftlichen Textbegriffen beschreiben läßt und ob auf ihn ältere poetisch-mathematische Reflexionen, wie z.B. Georg Philipp Harsdörffers Mathematische und philosophische Erquickstunden (1651-53), Novalis’ Allgemeines Brouillon und die Dichtung von Oulipo, bezogen werden können.

Da das Seminar Computer als Code-basierte, algorithmische Maschinen untersucht und nicht als vernetztes Bildschirmmedium, geht es in ihm nicht um jene bildschirmtypographische, an analogen Schnittstellen konfigurierte Literatur, die unter Bezeichnungen wie ’Hypertext’ und ’Multimedia’ bekannt geworden ist, sondern um Grenzgebiete der Poesie und Programmierung, von der Permutationsdichtung der Frühneuzeit über Lyrik in Programmiersprachen bis hin zum Computercode als Zeichenmaterial in der Netzpoesie und -kunst seit ca. 1995.

Dieses Seminar findet auf expliziten Wunsch von Studierenden des Instituts statt und hat den Charakter eines Arbeitsprojekts. Um teilzunehmen, sollten Sie bereit sein, während des Semesters die Computerprogrammiersprache C und Grundbefehle des Betriebssystems Unix (bzw. einer seiner Abkömmlinge wie GNU/Linux und BSD) zu lernen sowie Kurzreferate z.B. zur Turing-Maschine, von Neumann-Automaten, funktionaler und objektorientierter Programmierung zu übernehmen. Diese Lehrveranstaltung kann im Rahmen der Möglichkeiten, die die Studienordnung dafür vorsieht, auch von Studierenden im Hauptstudium besucht und mit einem Seminarschein abgeschlossen werden.

Zur Vorbereitung:

  • Artikel "Turing-Maschine".
    in: Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 4.
    Stuttgart und Weimar (Metzler) 1996.


  • Claude Shannon: A Mathematical Theory of Communication. (1948).
    deutsch in: Claude Shannon: Ein Aus, Ausgewählte Schriften zur Kommunikations- und Nachrichtentheorie.
    Berlin (Brinkmann und Bose) 2000, S. 7-100.


  • Brian W. Kernigham and Dennis M. Ritchie: The C Programming Language.
    Upper Saddle River, NJ (Prentice Hall) 21988 [1978].


  • Abraham M. Moles: Kunst und Computer. [Art et ordinateur. Tournai 1971.].
    Köln (DuMont) 1973.


  • jodi.org.


  • mez, datableed.

(Siehe auch bei den Seminararbeiten.)


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