16431 Übung
Consuelo Galvani
Physik als Kunst - Novalis und Leopardi
Der Beschleunigung des Wissens und der Ausdifferenzierung der Disziplinen wird Ende des 18. Jahrhunderts die Utopie einer Universalwissenschaft und -poesie entgegengesetzt. Novalis programmatische Formel einer Dichtung als Poetisierung der Natur ist nicht Produkt eines weltabgewandten Dichters, sondern entsteht aus der fruchtbaren Verschränkung von Spekulation und Erfahrung.
Durch die Auseinandersetzung sowohl mit der Naturphilosophie Schellings als auch mit der experimentellen Naturwissenschaft des 18. Jahrhunderts (z.B. die Rolle des romantischen Physikers J.W. Ritter in der Elektrizitätsdebatte) versucht Novalis eine allgemeine Formel zu entwickeln, die Kalkül und Imagination, Wissenschaft und Poesie wieder vereinbart. Anhand ausgewählter Texte soll untersucht werden, inwieweit die Naturwissenschaften das metaphorische Reservoir für seine romantische Theoriebildung und sein dichterisches Schaffen liefern.
Die zweite Hälfte des Seminars wird sich dem Werk des italienischen Romantikers Leopardi widmen. Auch er, der als "poeta del vago e dellinfinito" gilt, beschäftigte sich jedoch intensiv mit den Naturwissenschaften seiner Zeit und verfaßte in seinen frühen Jahren eine Geschichte der Astronomie. Untersucht wird Leopardis Naturauffassung in Zusammenhang mit seinem poetologischen Konzept, besonders in den Notizen zum Zibaldone.
Literaturhinweise:
- Hans Blumenberg: Die Lesbarkeit der Welt. (besonders Kapitel XVI).
Frankfurt am Main 1981.
- Novalis: Werke, Tagebücher, Briefe. Herausgegeben von H.J. Mähl und R. Samuel. 3 Bände.
München 1987.
- Giacomo Leopardi: Gesänge/Dialoge/Zibaldone. Mit einem Nachwort von K. Stierle.
München 1998.