16450 Hauptseminar
Modelle der Geschichtsschreibung und der Literaturgeschichtsschreibung
Literatur kann historische Ereignisse repräsentieren, ist aber auch selber ein historisches Ereignis. Beide Aspekte dieses Verhältnisses sollen in unserem Seminar ungefähr ausgewogen untersucht werden: einerseits Geschichtsschreibung als Literatur (Rhetorik, Poetik, Erzählkunst historiographischer Texte), andererseits verschiedene Strategien der Historisierung literarischer Texte. In beiden Fällen wollen wir besonderen Wert darauf legen, die Spannung zwischen Literatur und Geschichte aufrechtzuerhalten bzw. die Reduktion von Geschichte auf Literatur (oder vice versa) zu vermeiden.
Das Seminar wird erstens aus der Lektüre klassischer Quellen bestehen: die fundierenden Texte des Historismus und der nationalen Literaturgeschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts. Zweitens werfen wir einen Blick auf zeitgenössische sozial- und kulturgeschichtliche Konzeptionen. Drittens wird das Seminar in die aktuellen Theorie-Debatten über (Literatur-) Geschichtsschreibung einführen und die Frage nach Gegenwart, Krise und Zukunft der Literatur-Geschichte diskutieren.
Zur Einführung:
- Jürgen Fohrmann: "Über das Schreiben von Literaturgeschichte".
in: Peter J. Brenner: Geist, Geld und Wissenschaft.
Frankfurt am Main 1993, S. 175-202.
- Hayden White: "Die Bedeutung von Narrativität in der Darstellung von Wirklichkeit".
in: Hayden White: Die Bedeutung der Form. Erzählstrukturen in der Geschichtsschreibung.
Frankfurt am Main 1990, S. 11-59.
Weiterführende Sammelbände:
- Edgar Marsch (Hg.): Über Literaturgeschichtsschreibung.
Darmstadt 1975.
- Klaus E. Müller und Jörn Rüsen (Hg.): Historische Sinnbildung.
Reinbek 1997.