16458 Hauptseminar
Wandlungen des Liebesdiskurses in der europäischen Dichtung vom Mittelalter bis zur Romantik
In dem Seminar sollen stilistisch-rhetorische Merkmale ausgewählter Liebesdichtungen im Zusammenhang mit den den Dichtungen zugrundeliegenden Liebeskonzeptionen diskutiert werden. Dabei soll die Vieldeutigkeit einzelner Liebesmotive und -topoi aufgezeigt werden, die bereits im Mittelalter mit unterschiedlichen Liebeskonzeptionen verbunden werden, in denen amor u.a. als sinnliche Leidenschaft (amor carnalis), geistige Liebe (amor spiritualis), als caritas oder als amor Dei definiert wird.
Im Seminar sollen Texte gelesen werden, die im Spannungsfeld zwischen höfischer Minne (Trobadorlyrik, Minnesang), ihrer Interpretation als begehrender Liebe, als amor concupiscentiae (Wolfram von Eschenbach, Parzival) und amor-theologischen Konzeptionen (Dante Alighieri, Vita Nuova) angesiedelt sind. Anhand ausgewählter Gedichte von Francesco Petrarca und den Petrarkisten des Cinquecento soll der Rückgriff der Renaissancedichter auf unterschiedliche Sprach- und Dichtungsmodelle und in diesem Zusammenhang die dialogische Konfrontation heterogener Liebesmodelle in den petrarkistischen canzonieri diskutiert werden.
Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, wie der Liebesdiskurs des Mittelalters und der Renaissance über seine spezifische Metaphorik mit anderen Diskursen - z.B. dem philosophischen, theologischen und medizinischen - verbunden wird. Den Abschluß des Seminars wird ein Ausblick auf den Liebesdiskurs der Romantik bilden. Im Mittelpunkt der Diskussion soll hier die Rezeption traditioneller Liebesmotivik im Kontext eines sich verändernden Liebesverständnisses stehen.
Als vorbereitende Lektüre empfohlen:
- Dante Alighieri: Vita Nuova.
- Friedrich Schlegel: Lucinde.
Das Hauptseminar ist Bestandteil des Interdisziplinären Zentrums Mittelalter - Renaissance - Frühe Neuzeit der FU-Berlin.