16462 Hauptseminar
Spazieren und Flanieren: Text / Raum-Durchquerungen
Der Spaziergänger geht hinaus in die Natur, und er kehrt an seinen Ausgangspunkt zurück. Er geht gemächlich und meist allein. Der Weg ist ihm bekannt, das Ziel unwichtig; was zählt, ist die Fortbewegung selbst und das, was sie begleitet oder sich unverhofft einstellt: Gedanken, Erinnerungen, Träumereien. Diese folgen dem Schritt des Gehenden, passen zu seinem Rhythmus und seinem Körpergefühl. Der Flaneur andererseits bewegt sich durch das Gewühl der Großstadt; einsam inmitten der Menschenmenge, überfällt ihn eine Wahrnehmung flüchtiger Schönheit als Schock...
Mit dem Spazierenden wird die Natur als Landschaft entworfen und das konstituiert, was man das Ästhetische nennt. Der Flaneur in der Metropole ist dagegen ein Paradigma moderner Erfahrung und Kunst. Die Literatur des 20. Jahrhunderts blickt auf beide Figuren zurück und läßt deren Nachfahren und Wahlverwandte sich durch topographisch unbestimmte Texträume bewegen.
Im Seminar werden Texte von Petrarca, Rousseau, Schiller, Poe, Baudelaire, Benjamin, F. Hessel, R. Walser, Th. Bernhard u.a. gelesen und interpretiert.