17124 Proseminar
Primo Levi
Hauptgegenstand des Seminars wird die literarische Produktion sein, die der Turiner Schriftsteller Primo Levi seiner Erfahrung im KZ Auschwitz gewidmet hat (Se questo è un uomo, La tregua, I sommersi e i salvati). Das Werk Levis, der bis zum Ende seines Leben nie aufgehört hat, über den Sinn des nationalsozialistischen Phänomens und seine deutsche Spezifik nachzudenken, siedelt sich an der Grenze zwischen Sachtext und Literatur an, und gehört sicherlich zu den vielfältigsten und komplexesten Beispielen dessen, was man letteratura concentrazionaria nennt.
Von den Werken Levis ausgehend, wird das Seminar einige der fundamentalen Probleme, die die Auschwitz-Literatur aufwirft, thematisieren. Die Fokussierung auf die rhetorische und ästhetische Textur des Faktischen (Hyden White) hat die seit dem Ästhetisierungsverbot Adornos immer wieder herangezogene Kategorie des Authentischen als Möglichkeit der transparenten Verbindung zwischen Fakt, Autor und Erzählung in Frage gestellt.
Mittels des Konzepts Gedächtnis, das die Unterscheidung zwischen Fiktionalität und Authentizität aufbricht, fällt der literarischen Produktion wie dem literaturwissenschaftlichen Deutungsvermögen im Vergleich zu anderen den Holocaust thematisierenden pragmatischen Texten und zur Fachhistoriographie so etwas wie ein Privileg der Erkenntnis zu. Weniger die als vorausgesetzt angenommene Unmöglichkeit der Darstellung als vielmehr deren tatsächliche (literarische) Realisierungen und die damit erzeugten Narrative rücken damit ins Zentrum der Betrachtung.
Des weiteren soll im Seminar der Versuch gewagt werden, den ästhetischen Status von Zeugen-Literatur zu erörtern: die Frage, die sich daraus ergibt, ist nicht zuletzt jene nach der solchen Texten möglichen immanenten (eigenen) ästhetischen Form und nach deren paradigmatischen Implikationen.
Die Texte Levis sollten vor Beginn der Veranstaltung den Studenten bereits bekannt sein. Es ist außerdem notwendig, sich durch Fachliteratur eigener Wahl einen historischen Überblick über die Geschichte des KZ Auschwitz zu verschaffen. Voraussetzung für den Erwerb eines Scheins sind die mündliche Präsentation eines Kurzreferates sowie die Anfertigung einer schriftlichen Arbeit.