16402 Vorlesung
Theorien der Schönheit I
Seit etwa 1970 hat sich außerhalb der philosophischen Ästhetik - und weitgehend auch außerhalb der geisteswissenschaftlichen Forschung überhaupt - sowohl ein breites empirisch-experimentelles Wissen von Schönheit und ästhetischer Attraktion als auch eine elaborierte theoretische Debatte darüber entwickelt: in Evolutionstheorie, Biologie, Psychologie und gender-Forschung. Dabei sind erstmals in größerem Stil Überlegungen Darwins (und Freuds) zur Geltung gekommen, wonach die Bildung ästhetischer Präferenzen als Korrelat sexueller Attraktion - und im weiteren dann auch: sexualisierten Denkens und der Evolution ästhetischer Kultur - entstanden sind.
Die Vorlesung diskutiert die Einsichten, die aus den Erzählungen von einer sexuellen Genealogie des Ästhetischen für die Problemlage theoretischer Ästhetik, die Formulierung von Geschlechtsrollen und nicht zuletzt für den aktuellen Kult des guten Aussehens und alle Praktiken artifizieller Schönheitsvermehrung gewonnen werden können. Sie untersucht das Versprechen, das an die Ausbildung und Bewertung ästhetisch bevorzugter Merkmale gebunden ist, und arbeitet zugleich die enormen Kosten, Risiken und selbstdestruktiven Potentiale heraus, welche die Kehrseite dieses Versprechens sind.
Vorbereitende Lektüre:
- Charles Darwin: The descent of man, and selection in relation to sex.
Princeton (Princeton University Press) 1981. (oder andere Ausgaben).
- Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie und Das Unbehagen in der Kultur. (diverse Ausgaben im Fischer Verlag).
Vorlesungsplan (.pdf-Dokument zum Ausdruck):
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14.04.2003 |
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Einführung |
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| 28.04.2003 |
»Wegen der Schönheit«: Glanz und Elend des Adonis |
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| 05.05.2003 |
Darwins Theorie von fashion, taste, sense of beauty und sexual ornaments I: Natürliche und sexuelle Selektion - Universalität und Relativität der Moden - Das Prinzip der Verstärkung von Unterschieden - Die Evolution modischer Körpermerkmale - Die Menschenmode der nackten Haut - Farbpräferenzen auf der Haut |
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| 12.05.2003 |
Darwins Theorie von fashion, taste, sense of beauty und sexual ornaments II: Das Standardmodell: männliche Schönheit als Resultat der female choice - Die seltenere Alternative: weibliche Schönheit und männliche Wahl - Die Vögel als »the most aesthetic of all animals« und die Einschränkung der ästhetischen Wahl bei Säugetieren und Menschen - Die Bedeutung von Paarungsstrukturen für die Entwicklung zur Schönheit |
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| 19.05.2003 |
Darwins Theorie von fashion, taste, sense of beauty und sexual ornaments III: Eingefrorene Evolution und kultureller Dynamismus: Konsequenzen der menschlichen Geschlechter-Anomalie für das Denken menschlicher Schönheit - Resümee |
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| 26.05.2003 |
Neuere Evolutionstheorien der Schönheit I: Schönheit als Handicap (Amotz Zahavi) - Schönheit als Indikator von Immunkompetenz (Hamilton / Zuk) - Die natürlichen Vorteile einer schönen Proportion von Taille und Hüfte und das Schlankheitsideal - Jugendlichkeit und facial babyishness als Indikatoren - Über Lüge und Wahrheit sexueller ornaments |
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| 02.06.2003 |
Neuere Evolutionstheorien der Schönheit II: Die Koemergenz der menschlichen Sexualmode und dauerhafter Beziehungen zwischen den Geschlechtern - »Female choice« und die menschliche Sexualmode - Die beauty is averageness-Hypothese - Die performative Kraft verrückter Moden - Schönheit und reproductive success |
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| 16.06.2003 |
Freuds Hypothese: die ursprüngliche Kulturalität menschlicher Schönheit und die Gefahr ästhetischer Selbstzerstörung |
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| 23.06.2003 |
Sexuelle Wahl und philosophische Ästhetik |
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| 30.06.2003 |
Das physical attractiveness-stereotype in der empirischen Psychologie |
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| 07.07.2003 |
Zur heutigen Signatur von Schönheitsarbeit und ästhetischer Selbstbegründung I |
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| 14.07.2003 |
Zur heutigen Signatur von Schönheitsarbeit und ästhetischer Selbstbegründung II |
Hinweis: Eine ausführliche Bibliographie zur Vorlesung liegt in der Bibliothek des Instituts bereit.