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16403 Vorlesung

Irmgard Osols-Wehden

Literarische Jenseitsdarstellungen von der Antike bis zur Gegenwart


Eines der ältesten mythologischen und dichterischen Motive ist das des Abstiegs in die Welt der Toten, bei dem der Mensch sich in der Grenzsituation zwischen Diesseits und Jenseits erfährt. In den zahlreichen literarischen Werken, die sich der Descensus-Thematik zuwenden, werden vor dem Hintergrund sich wandelnder mythologischer und religiöser Vorstellungen unterschiedliche Aspekte dieser Grenzsituation dichterisch gestaltet.

So ist die Unterweltsdarstellung bei Homer durch den engen Zusammenhang zwischen Katabasis bzw. Nekyia und Nekromantie geprägt, bei der - wie später noch in den Dichtungen Vergils und Dantes - die prophetischen Gaben der Toten beschworen werden. Ziel der im christlich-religiösen Kontext stehenden mittelalterlichen Jenseitsdarstellungen ist es, durch die Darstellung des Zustands der Seelen nach dem Tode einen Erkenntnis- und Läuterungsprozeß auszulösen, „die Lebenden in diesem Leben aus dem Zustand des Elends herauszuholen“ (Dante Alighieri).

Im Mittelpunkt der Vorlesung soll die produktive Rezeption von Motiven antiker und mittelalterlicher Unterwelts- und Jenseitsdarstellungen in der spanischen und französischen Literatur des 17. Jahrhunderts, der deutschen Klassik und in der Dichtung des 20. Jahrhunderts stehen. In diesem Zusammenhang sollen Werke von Homer, Vergil, Dante, Quevedo, Scarron, Goethe und Manganelli interpretiert werden.


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