16423 Proseminar
Sonette Shakespeares, deutsch
Dreimal in jedem Jahr sind durchschnittlich Sonette Shakespeares in den letzten anderthalb Jahrhunderten ins Deutsche übertragen worden, in den letzten Jahren an Häufigkeit eher zu- als abnehmend. Anders als die Schlegel / Tiecksche Übersetzung des dramatischen Werks hat keine der Sonnets für das lyrische uvre eine entsprechende konventionelle Verbindlichkeit eines deutschen Shakespeare erlangt. Der Ungewissheit eines angemessenen Verständnisses der Sonette entspricht die Vielfalt der Übertragungen. Dergestalt ist das Sonettwerk Shakespeares nicht nur ein Prüfstein für das Verständnis elisabethanischer Lyrik (neuplatonischer Erotismus), sondern zugleich auch eine Inkunabel der Hermeneutik und Übersetzungstheorie.
Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf Übersetzungen des 20. Jahrhunderts und ihrer theoretischen Reflexion. Nach einem kursorischen Überblick über die Tradition von F. M. von Bodenstedt, Karl Lachmann, Otto Gildemeister, Friedrich Huch bis R. A. Schröder werden ausführlicher ausgewählte Übersetzungen von Stefan George, Florens Christian Rang, Paul Celan, Karl Kraus, Stefan Hermlin, Volker Braun, Christa Schuenke, Franz Josef Czernin, Ulrike Draesner, Wolfgang Kaußen und Simone Katrin Paul besprochen.
Die Teilnahme ist nur bei Vorbereitung durch die Lektüre von Shakespeares Sonetten sowie von jeweils mindestens fünf Übersetzungen der folgenden Sonette sinnvoll: 14, 18, 60, 63, 81, 105, 141, 146.
Literatur zur Vorbereitung:
- Shakespeares Sonnets. Herausgegeben von Katherine Duncan-Jones.
London (The Arden Shakespeare, Third series) 1997.
- Walter Mönch: Das Sonett. Gestalt und Geschichte.
Heidelberg 1955.