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16450 Hauptseminar

Bernd Blaschke

Die Parodie als komisches Verfahren


Parodien sind eine alte Angelegenheit. Seit den komischen Nachahmungen homerischer Helden-Epik ist die spielerische, ironische, satirische oder aggressive Imitation kanonischer Texte ein vielfältiges Verfahren intertextueller Textproduktion. Theoretische Reflexionen über die Parodie als literarisches Verfahren gibt es auch schon lange, freilich waren sie meist mit einer Geste der Abwehr und Marginalisierung solch komischer Intertextualität verbunden. In den letzten Jahren gibt es allerdings einen regelrechten Boom der Parodie-Forschung. Im Anschluß an Bachtins, Kristevas und Derridas Sprach- und Text-Theorien wurden Parodien vom Parasiten zum Paradigma von Literaturtheorien.

Im Seminar wollen wir etwa gleichgewichtig Theorien der Parodie, theatralische Parodien und Gedicht-Parodien analysieren. Zu den Theater-Parodien werden Parodien von Goethes Faust gehören (Friedrich Theodor Vischer: Faust. Der Tragödie dritter Teil) und von Richard Wagners Oper. Bei den Lyrik-Parodien werden wir uns ganz nach den Interessen der Teilnehmenden und Referierenden richten. Gleiches gilt für Vorschläge zu filmischen Genre-Parodien (Western, Kriegsfilm, Austin Powers’ Bond ...). Leitfragen werden das Verhältnis von Inhalts- und Form-Parodie sein, sowie die Frage, was uns die Parodie über den Code und den kanonischen Status des komisch nachgeahmten Vorlagen-Werks verrät. Und natürlich die permanente Nachfrage: What’s so funny about it? Was soll daran komisch sein?

Das wöchentliche Lesepensum sollte 50 Seiten nicht überschreiten.

Zur Einführung:

  • knapp:
    • Eintrag „Parodie“, in: Walther Killy (Hrsg.): Literaturlexikon.
  • ausführlich:
    • Simon Dentith: Parody.
      London 2000.
    • Margaret A. Rose: Parody. Ancient, modern, postmodern.
      Cambridge 1993.

Zur Vorbereitung: Beobachten, sammeln und klassifizieren von Parodien im Medien-Alltag.

(Siehe auch bei den Seminararbeiten.)


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