[FU-Logo] Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende
Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin
Home E-Mail Kontakt
Institut
Veranstaltungen
Gastvorträge
Studienplaner
Archiv
  Vorlesungs-
verzeichnisse
  Sprachklausuren
  Seminararbeiten
  Samuel Fischer-
Gastprofessuren

  Samuel Fischer-
Gastvorträge
  Gastvorträge


  complit > archiv > kvv > lv-sose2003 >  

16456 Hauptseminar

Irmgard Osols-Wehden

Das Groteske in der europäischen Literatur


Ein wesentliches Moment der definitorischen Bestimmung des Groteske-Begriffs in der Kunst stellt seit seiner Entstehung im 15. Jahrhundert das der „seltsamen Verknüpfung heterogener Elemente“ (Hegel, Aesthetik) dar. Die in der Groteske zur künstlerischen Darstellung kommenden Heterogenitäten und Deformationen werden zugleich als Ausdruck einer verzerrten und verfremdeten Welt gewertet. Die Bestimmung der Groteske als Spiegel einer „entfremdeten Welt“ sieht Wolfgang Kayser z.B. in dem Versuch, „das Dämonische in der Welt zu bannen und zu beschwören“.

Damit verweist Kayser auf eine wesentliche Quelle der Formensprache auch der modernen Groteske: auf die mittelalterliche Teufelsgroteske. Gestalt und Wirken der dämonischen Kräfte erscheinen in ihr unter anderem als Verzerrung eines harmonischen Schöpfungsgedankens, in ihr vereint sich das Grauenvolle mit den - theologisch wie mentalitätsgeschichtlich zu begründenden - komischen Aspekten teuflischer Gestalten und ihrer Aktivitäten. Wesentliche Elemente der Höllen- und Teufelsdarstellungen sind als Bestandteil der volkstümlichen Karnevalsriten und Feste überliefert.

Eines der bekanntesten literarischen Zeugnisse dieser Karnevalskultur entstand im 16. Jahrhundert: François Rabelais’ Roman Gargantua und Pantagruel. Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Tradition grotesker Formensprache findet Ende des 18. Jahrhunderts ihren Archivar in K.-F. Flögel, dessen Geschichte des Grotesk-Komischen eine wichtige Quelle für die Dichtungen E. T. A. Hoffmanns darstellt. Letzterer gilt zugleich mit seinen Erzählungen und Romanen, in denen das Unheimliche und Irreale unvermittelt in die Welt des Alltags einbricht, als ein Vertreter der phantastischen Literatur, deren Autoren immer wieder auf die Tradition grotesker Darstellungen zurückgegriffen haben.

Ein Ziel des Seminars ist es, anhand ausgewählter Texte von Dante, Rabelais, E. T. A. Hoffmann und E. A. Poe inhaltliche und formale Elemente der Teufelsgroteske herauszuarbeiten und deren Tradierung und Modifizierung in der Dichtung unterschiedlicher Epochen aufzuzeigen. In diesem Kontext sollen auch grundlegende literaturtheoretische Konzepte, wie das von M. Bachtin, bzw. Gattungsbestimmungen, wie die der phantastischen Literatur, diskutiert werden.

Als vorbereitende Lektüre empfohlen:

  • Michail Bachtin: Rabelais und seine Welt.
    Frankfurt am Main 1987.


[ Institut | Veranstaltungen | Gastvorträge | Studienplaner | Archiv ]
[ Home | Anfang der Seite ]

Impressum
© Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
der Freien Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin