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16458 Hauptseminar

Robert Stockhammer

Geschichten von der neuen Weltordnung


Spätestens mit Michael Hardts und Antonio Negris Buch Empire (2000), dem die deutsche Übersetzung (Frankfurt und New York 2002) den Untertitel „Die neue Weltordnung“ hinzugefügt hat, ist die enge Verbindung von Globalisierungskritik und postkolonialer Theorie deutlich geworden. Hinfällig wird damit das Argument, eine deutsche Beschäftigung mit post colonial studies könne, da Deutschland kaum Kolonien besessen habe, auf die Kreise der entsprechenden fremdsprachigen Philologien und Kulturwissenschaften beschränkt bleiben.

Zugleich sind einige aktuelle Tendenzen zu beobachten, die eine spezifisch literaturwissenschaftlich akzentuierte Auseinandersetzung mit diesem theoretischen Feld unterstützen: die zunehmende Aufmerksamkeit auf das Thema der Globalisierung in der Vergleichenden Literaturwissenschaft (vgl. z.B. Djelal Kadir / Dorothea Löbbermann [Hg.]: Other Modernities in an Age of Globalization. Heidelberg, Spätsommer 2002, oder das entsprechende Themenheft der Zeitschrift Comparative Literature. Oregon, 53:4, Fall 2001), sowie der intensivierte Dialog zwischen den post colonial studies und der Dekonstruktion, die ja traditionell eng an die Allgemeine Literaturwissenschaft angebunden ist (vgl. z.B. das Derrida gewidmete Kapitel in Robert J. C. Young: Postcolonialism: an historical introduction. Oxford and Malden, MA 2001 - eine aufgrund ihrer historischen Orientierung auch sonst lesenswerte Bestandsaufnahme).

Die von diesen Debatten aufgeworfenen Fragen betreffen nicht ‚nur‘ eine Erweiterung des Gegenstandsbereichs um außereuropäische Literaturen, obgleich dies natürlich eine notwendige Bedingung für weitere Reflexionsschritte ist (Der Seminarleiter wird basale Kompetenzen für Afrika ins Spiel bringen; Literatur aus anderen Kontinenten muß hauptverantwortlich von den anderen TeilnehmerInnen vertreten werden.). Vor allem auch ist danach zu fragen, welche Auswirkungen diese Öffnung des Feldes für das Gesamt der Literaturen hat: in welchem Sinne sich dieses als ‚Weltliteratur‘ konzipieren läßt, wie das „writing back“ (vgl. Bill Ashcroft, Gareth Griffiths and Helen Tiffin: The Empire Writes Back. London 1989), das ja nahezu überall auf der Welt zumindest teilweise in europäischen Sprachen stattfindet, auch die westeuropäischen Literaturen transformiert hat u.a.m..

Zur Vorbereitung: Lektüre mindestens eines außereuropäischen Romans in seiner ‚europäischen‘ Originalsprache, Hineinlesen in die oben genannten Bücher und Sammelbände sowie insbesondere Wlad Godzich: „Heraufdrängende Literaturen und das Feld der Komparatistik“, in: ders.: Philosophie einer un-europäischen Literaturkritik, herausgegeben von W. Halbach, München 1988, S. 31 - 46.

Die ausfallenden Sitzungen werden in einem Blockseminar nachgeholt.

(Siehe auch bei den Seminararbeiten.)


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