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16421 Proseminar

Niklas Bender

Der literarische Orientalismus und das Geschichtsdenken der Moderne


Mit der Epochenwende um 1800 formiert sich das abendländische Denken radikal neu: Das Bewußtsein von Geschichtlichkeit wird zur Grundlage jeglicher Reflexion, das Wissen über den Menschen reorganisiert sich unter dem Eindruck der Zeitgebundenheit. Ob Fortschrittserzählung (Michelet, Hegel) oder -skepsis (Teile der Romantik) – der Rückblick auf das Gewesene ist Programm. Dies ist kein abstrakter Prozeß, wie die ungeheure Popularität der historischen Romane beweist.

Zugleich gewinnt der Orientalismus eine neue Dynamik, in Frankreich und England wird er eine beherrschende Inspiration der Kunst. Seit Edward Saids Orientalism (1978) wertet man ihn als kulturelle Kolonialisierung: Der Okzident schuf selbst den Orient, den er zu sehen glaubte. Bedeutsam ist jedoch, daß das Morgenland ästhetisch und philosophisch als Ort der Vergangenheit konzipiert wird. Darum ist es dringlich, zunächst zu untersuchen, welche Stellung es im modernen Geschichtsdenken des Abendlands hat. Es handelt sich um den programmatischen Versuch, den Orientalismus neu zu definieren.

Gelesen und diskutiert werden zunächst Reinhart Koselleck und Said. Es folgen Auszüge aus Reiseberichten (Nerval, Chateaubriand), historiographische und kulturgeschichtliche Quellen (Michelet, Champollion). Im Zentrum stehen zwei historische Romane: Gautiers Roman de la momie und Flauberts Salammbô. Besonders letzterer führt die Frage von Geschichte und Orient exemplarisch eng und verdient besondere Aufmerksamkeit. Französischkenntnisse sind unabdinglich; die frühzeitige Lektüre Salammbôs ist geraten.

Zur Vorbereitung:

  • Edward W. Said: „Introduction“.
    in: Edward W. Said: Orientalism. London (Penguin) 21995.
  • Gustave Flaubert: Salammbô. Herausgegeben von G. Séginger. Paris (G-F) 2001. (Unbedingt diese Ausgabe!).
  • Théophile Gautier: Le roman de la momie. Paris (Folio).

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