[FU-Logo] Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende
Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin
Home E-Mail Kontakt
Institut
Veranstaltungen
Gastvorträge
Studienplaner
Archiv
  Vorlesungs-
verzeichnisse
  Sprachklausuren
  Seminararbeiten
  Samuel Fischer-
Gastprofessuren

  Samuel Fischer-
Gastvorträge
  Gastvorträge


  complit > archiv > kvv > lv-sose2004 >  

52779 Hauptseminar

Georg Witte

Die Romane S. Sokolovs


In den späten siebziger und den achtziger Jahren kam es zur Entstehung einer nicht mehr vom heteronomen Wahrheitspostulat politischer und ideeller Dissidenz, sondern von ihrer ästhetisch-autonomen Funktion geprägten Samizdatprosa. Diese Prosa knüpfte an die Formexperimente der Moderne an. Man entdeckte von neuem, nach dem verheerenden Einbruch des trivialmimetischen Kanons namens ‚sozialistischer Realismus‘, die Traditionen der ‚ornamentalen Prosa‘ der zwanziger Jahre, also einer stärker durch poetische Formprinzipien als durch lineare Geschichtsverläufe und realistische Abbildlichkeit geprägten Schreibweise.

Man besann sich auf Erzähltechniken des Bewußtseinsstroms und der Stimmenpolyphonie. Von neuem interessant wurden Kompositionsverfahren der Montage und der ‚Komposition aus Stücken‘ (‚kuskovaja kompozicija‘). Absurde und surreale Atmosphären erfuhren ihre Renaissance.

Sokolovs Romane gehören zu den künstlerisch bedeutendsten Beispielen dieser Literatur. Der Anschluß an die Prosatechniken der Moderne und Avantgarde geschah freilich nicht bruchlos. Auch die neue russische Literatur war beeinflußt vom internationalen Zeitgeist der Postmoderne. Und wieder ist es in besonders exponierter Weise Saša Sokolov, der mit seinen Romanen – Die Schule der Dummen (Škola dlja durakov, 1976), Zwischen Hund und Wolf (Meždu sobakoj i volkom, 1980) und Palisandrija (1985) – diese postmoderne Wende in der russischen Prosa anzeigt.

Am Beispiel der genannten drei Romane soll untersucht werden, wie

  1. ein emphatisches und mythopoetisches Verständnis des literarischen Worts (Sehnsucht nach einer ursprachlichen Einheit von Ding und Zeichen) durchgetestet und relativiert wird,
  2. intertextuelle Schreibstrategien sich aus einem Dualismus von ‚Gedächtniskultur‘ und utopistischem Innovationismus befreien,
  3. sich die ‚metafiktionalen‘ Strategien gegenüber der Avantgarde funktional verändern – im Sinne einer Verschiebung vom Prinzip der ‚Entblößung‘ zum Prinzip der ‚Verstellung‘.

[ Institut | Veranstaltungen | Gastvorträge | Studienplaner | Archiv ]
[ Home | Anfang der Seite ]

Impressum
© Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
der Freien Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, D-14195 Berlin