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Modul AVL 112a 16400 Grundkurs
Poetik, Rhetorik, Hermeneutik und intermediale Orpheus-Dichtungen
Dieser zweite Teil meiner Einführung in die allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft bietet einerseits eine Fortsetzung des Überblicks über Literaturtheorien. Wir werden uns in ausgewählten kürzeren Texten mit den Stichworten Gendertheorie, Rhetorik, Ästhetik, Psychoanalyse und Intermedialität befassen. Andererseits werden wir Gestaltungen des poetologisch gehaltvollen Orpheus-Mythos in Gedichten, Theaterstücken, Opern und Film analysieren.
Der Mythos von Orpheus, dem Sänger, Liebenden und Eindringling ins Totenreich ist der wohl wirkungsmächtigste Künstler-Mythos. In der Antike verehrt als Religionsstifter, wurde der Sänger aus Thrakien später zum bevorzugten Sujet, an dem Dichter, Komponisten, Maler oder Filmemacher die (Ohn)Macht von Kunst-Praktiken aber auch von Liebe inszenierten.
Wir wollen dazu Werke verschiedener Gattungen und Medien diskutieren: antike narrative Texte Ovids und Vergils, neuzeitliche Theater-Texte Polizianos und Calderóns, sowie moderne Gedichte. Dabei sollen die Wandlungen der impliziten Kunsttheorien, die immer wieder im Rückgriff auf den mythischen Sänger entworfen wurden, analysiert werden. Orpheus war der naheliegende Stoff, den sich um 1600 die neue Gattung der Oper für ihre Selbstdefinition wählte: wir werden Monteverdis Orfeo und eventuell den nächsten operngeschichtlichen Wendepunkt der Gluck’schen Reformoper Orpheus und Euridyke erörtern. Orpheus-Verfilmungen, eventuell Cocteaus moderner Pariser Orphée besonders jedoch Camus’ brasilianischer Orfeu negro, werden zeigen, wie sich der Stoff antiker Gesangs-Metaphysik intermedial bis in die Moderne fortpflanzt.
Das wöchentliche Lektürepensum beträgt ca. 50 Seiten.
Zu dem Seminar wird ein zweistündiges studentisches Tutorium angeboten.
Zur Anschaffung und Vorbereitung empfohlen sei die Anthologie der wichtigsten Orpheus-Texte, herausgegeben von Wolfgang Storch: Mythos Orpheus, Reclam Leipzig.
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