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16446 Proseminar
Vom Müßiggang zur Pathologie: Regression als autobiographisches Verfahren
Tagebücher, Briefe und Autobiographien werden in der Forschung immer wieder als Ort literarischer Identitätsbildung beschrieben. Der schriftliche Selbstentwurf wird dabei implizit als emanzipatorischer Akt verstanden. Gleichzeitig ist nicht zu übersehen, dass viele Autoren in ihren Texten keine Entwicklungsgeschichte erzählen, sondern regressiv um sich selbst kreisen: Faulheit, Überdruss, Krankheit und die Banalitäten des Alltags gehören zu den wichtigsten Themen der Autobiographik.
Das Seminar will den Versuch unternehmen, sie als Strategien der Selbstkonstitution zwischen Verweigerung von Lebenspraxis und subversiver Ästhetik zu untersuchen. Anhand der Lektüre von Texten des russischen und westeuropäischen Realismus und der Moderne soll darüber hinaus die diskursgeschichtliche Transformation von Krankheitskonzepten und Selbstbefindlichkeiten nachvollzogen werden.
Gelesen werden u.a. Briefe und Tagebücher von Anton Čechov, Leo Tolstoj, Ivan Turgenev und Gustave Flaubert (insbesondere die Korrespondenz der Beiden), Franz Kafka, Marcel Proust und Osip Mandel’štam.
Einführende Lektüre:
- Esther Fischer-Homberger: Hypochondrie. Melancholie bis Neurose. Krankheiten und Zustandsbilder, Bern, Stuttgart, Wien 1970.
- Dietrich von Engelhardt: Krankheit, Schmerz und Lebenskunst: eine Kulturgeschichte der Körpererfahrung, München 1999.
- Jean Starobinski: Kleine Geschichte des Körpergefühls, Frankfurt a.M. 1991.
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