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16465 Hauptseminar
Michel Leiris
Material
Als zeitweiliger Weggefährte der Surrealisten um Breton, der Zeitschrift Documents und des Collège de sociologie um Georges Bataille und der Existentialisten um Sartre war Michel Leiris (1901–1990) eine genauso zentrale wie singuläre Figur im Zentrum der literarischen und intellektuellen Geschichte Frankreichs seit den 20er Jahren.
Sein besonderer Blick auf sich selbst und die ästhetischen Institutionen der europäischen Kultur (poésie, Oper, bildende Kunst etc.) verdankt sich dabei nicht zuletzt seiner parallelen Existenz als professioneller Ethnologe (er verbrachte jeweils den halben Tag am Schreibtisch seines Büros in der afrikanistischen Abteilung des Musée de l'Homme). So kann er die grundlegenden Probleme der modernen Poetik und Ästhetik, die ihn beschäftigen, immer wieder in den Praktiken anderer Kulturen (z.B. der Besessenheit in Äthiopien, der einem Totenkult gewidmeten Geheimsprache der Dogon) spiegeln.
Vor dem Hintergrund dieser Frage nach dem Austausch zwischen der Ästhetik des Fremden und der des Eigenen soll im Seminar versucht werden, Leiris' hochkomplexe vierbändige Autobiographie La règle du jeu sowie Le Ruban au cou d'Olympia nicht allein als autobiographische Texte sondern zugleich als ästhetische und poetologische Experimente zu erschließen.
Das Seminar wendet sich an Studierende der Französischen Philologie und der AVL. Gute Französischkenntnisse werden vorausgesetzt.
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