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16473 Hauptseminar
Brigitte Obermayr
Geschmacksfragen: Mode zwischen Gesetz, "byt" (Alltag) und Ästhetik in der russischen Kultur ab 1700
„Die Modepolizei fixiert jeden beliebigen Verstoß gegen Gesetze der Mode und des Stils und bestraft alle, die keinen Geschmack haben.“ Dieser Text flankiert eine ganzseitige Anzeigenwerbung eines Mobiltelfonanbieters im Russland des Jahres 2004. Bewaffnet ist das Modepolizistenpärchen mit je einem Mobiltelefon, ausgestattet mit einer „vielpixeligen Kamera“ („mnogopiskel’naja kamera“), gekleidet in weißer Lederdress mit weißen Highheel-Boots.
Diese Szene kann als Blitzlicht auf die Fragestellung der Lehrveranstaltung verstanden werden: Wir werden uns auch mit Mode im Sinn von Kleidermode, Verhaltensmodus und Lebensstil und deren historischen Veränderungen beschäftigen, es wird in der Lehrveranstaltung aber vor allem darum gehen, die verbalen, visuellen und diskursiven Kodierungen, Vorschreibungen und Einschreibungen zu analysieren, die ihren Niederschlag in Journalistik, Literatur und bildender Kunst finden.
Von besonderem Interesse wird dabei die Werbung sein, zu deren Analyse ein ganzes Spektrum an gesellschaftlichen, politischen, sprachlichen und ästhetischen Registern nötig ist. Das Seminar will so Kenntnis historischer Entwicklungen ebenso vermitteln, wie Analysewerkzeug zur Dekodierung der „Sprache der Mode“ (Roland Barthes).
Dabei wird es immer wieder die als Leitfrage in den Raum gestellte These zu überprüfen gelten, wonach die Expansion des Systems Mode mit einer Dominanz einer Ästhetik der Oberfläche (ab ca. Mitte 19.Jh.) im Zusammenhang steht.
Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen:
- Lotman, Jurij M.: Russlands Adel.
- Barthes, Roland: Die Sprache der Mode, Frankfurt/M. 1985.
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