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17006 Proseminar

Paola Traverso

Literarische Krankheiten I (Hysterie)


Das Seminar bildet den Auftakt zu einer Veranstaltungsreihe, die sich mit der vorwiegend im 19. Jahrhundert entstandenen und spätestens mit Freuds Psychoanalyse etablierten Verbindung zwischen Medizin bzw. dynamischer Psychiatrie und Literatur befassen soll.

Schon die Antike und später das Mittelalter haben der Hysterie einen besonderen Status unter den Geisteskrankheiten (wenn sie denn als solche bewertet wurde) zugewiesen und sie als Ort der Begegnung zwischen den magischen oder dämonischen Mächten des Universums und der irdischen, physischen Lebenswelt angesehen.

Während der Aufklärung zunehmend in Vergessenheit geraten oder aus dem Kulturleben „verdrängt“, „bricht“ die Hysterie als literarisches und öffentliches Phänomen um so virulenter in der Romantik „aus“. So gilt das 19. Jahrhundert als das „siècle hystérique“, welches in den von Josef Breuer und Sigmund Freud verfassten Studien über Hysterie (1895) kulminieren wird.

Das Seminar wird sich sowohl der „Erfindung der Hysterie“(Didi-Hubermann) im 19. Jahrhundert unter kulturhistorischen Aspekten widmen (beispielsweise den Forschungen Charcots und der Entstehung der Psychoanalyse aus der Hysterieforschung) als auch deren literarische Repräsentationen würdigen, angefangen von Flauberts Madame Bovary bis hin zu den von Hofmannsthal auf die Bühne gebrachten Hysterikerinnen.

Als erste vorbereitende Lektüre empfehlen sich Breuers und Freuds bereits erwähnte Studien über Hysterie (Taschenbuchausgabe bei Fischer, 1991). Die Kenntnis von Gustave Flauberts Madame Bovary wird mit Seminarbeginn vorausgesetzt.

Das Seminar richtet sich sowohl an Studierende der Romanistik als auch der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft.

Voraussetzung für den Erwerb eines qualifizierten Scheins ist, neben der regelmäßigen, aktiven Teilnahme, die Präsentation eines Referats sowie die Anfertigung einer schriftlichen Hausarbeit.


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