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31703 Proseminar
Ivan Turgenev
Das Seminar soll einen Einblick in das Prosawerk Ivan Turgenevs geben. Anhand einer Lektüre ausgewählter Texte aus seinem umfangreichen Werk sollen Grundzüge der Poetik des Realismus erarbeitet werden.
Turgenevs Romane, insbesondere Väter und Söhne (1862) werden immer wieder als paradigmatische Beispiele der Austragung aktueller gesellschaftspolitischer Diskussionen in der Literatur gelesen. Die Lektüre im Seminar soll diese Diskussionszusammenhänge verdeutlichen und gleichzeitig der Frage auf den Grund gehen, wie sie ästhetisch anverwandelt werden.
Dabei sollen die Spezifika des Turgenev’schen Realismus herausgearbeitet werden, der in der Forschung immer wieder „poetisch“ genannt worden ist. Im Hinblick auf Turgenevs Rolle als einer der prominentesten Mittler zwischen der russischen und der westeuropäischen Kultur seiner Zeit sind hierfür auch intertextuelle Bezüge nachzuvollziehen.
Turgenev importiert in die russische Literatur nicht nur Motive und Archetypen wie Hamlet, Faust oder Don Quichotte, sondern auch philosophische Konzepte und Erzählformen. Dabei kreiert er einen Erzählstil, der seinen eigenen Realismus auf der Textebene immer wieder zugleich begründet und hinterfragt. Vor allem Turgenevs Darstellung des Antagonismus von Ideologie und Gefühl, seine Auseinandersetzung mit dem Problem der Darstellung von Liebe, seine Ausflüge in die Phantastik und nicht zuletzt seine Sprachskepsis sollen in diesem Zusammenhang erläutert werden.
Gelesen werden unter anderem: „Rudin“, „Otcy i deti“ („Väter und Söhne“), „Pervaja Ljubov’“ („Erste Liebe“), „Vešnye vody“ („Frühlingsfluten“), „Zatiš’e“ („Im stillen Winkel“) „Faust“, „Mumu“, „Klara Milič“
Einführende Lektüre:
- E. Kagan-Kans: Hamlet and Don Quixote. Turgenev’s Ambivalent Vision, The Hague, Paris 1975
- J.B. Woodward: Metaphysical Conflict. A Study of the Major Novels of Ivan Turgenev, München 1990
- Rolf-Dieter Kluge: Ivan S. Turgenev. Dichtung zwischen Hoffnung und Entsagung, München 1992
- Peter Thiergen (Hg.): Ivan S. Turgenev: Leben, Werk und Wirkung, München 1995
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