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31707 Proseminar
Ästhetische Aneignungen von Wissenschaft und Technik: Zur Popularisierung der Wissenschaften in der russischen Kultur von 1850 bis 1950
Ab spätestens dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts setzt in Russland ein wissenschaftlich-technischer Modernisierungsschub ein, der nachhaltig in Kunst und Literatur reflektiert wird. Ästhetische Moden, ein sich rapide veränderndes Wissen von der Natur und neue Technologien (der Bewegung, Beobachtung, Produktion etc.) entfalten dabei eine Dynamik, die wechselseitige Aneignungen und Abstoßungen in Gang setzen. Zugleich reagieren sie auf die Anforderungen immer breiter werdender Leserschaften und einer kommerziellen Massenkultur.
Im Seminar soll nach diesen Verschiebungen gefragt werden. Neben methodischen Überlegungen (New Historicism, Intermedialität u.a.) und einem Überblick über die Wissenschaftsgeschichte der Zeit sollen exemplarisch medizinische, physiologische, evolutionäre Diskurse (Darwin, Sečenov, Pavlov u.a.) verfolgt und ihre Diskursivierungen in der russischen Kultur anhand von Klassikern (Pisarev, Turgenev, Čechov, Avantgarde u.a.), populären und populärwissenschaftlichen Texten (Science-Fiction u.a.) sowie Fotografie und Film untersucht werden.
Im Rahmen des Seminars sind Exkursionen und Filmtermine geplant.
Literatur zur Vorbereitung:
- Graham, Loren R.: Science in Russia and the Soviet Union. A Short History. Cambridge 1993.
- Kelly, Catriona / Shepherd, David (Hg.): Constructing Russian Culture in the Age of Revolution. Oxford 1998. (Kap. 1 + 2)
- Merten, Sabine: Die Entstehung des Realismus aus der Poetik der Medizin. Die russische Literatur der 40er bis 60er Jahre des 19. Jahrhunderts. Wiesbaden 2003.
- Schwarz, Andrea: Der Schlüssel zur modernen Welt. Wissenschaftspopularisierung in Großbritannien und Deutschland im Übergang zur Moderne (ca.1870-1914). Stuttgart 1999.
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