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31708 Hauptseminar
Majakovskij − Jesus. Aneignungen des Erlösers in der Avantgarde
Die literarischen und künstlerischen Avantgarden der ersten drei Dekaden des 20. Jahrhunderts zitierten in ihrem eschatologischen Utopismus eine Vielfalt kultureller Präfigurationen. Nicht zuletzt der Erlösungstopos war ein Feld literarischer Aneignungen.
Wie solche Aneignungen verliefen, wie sie sich zerspannten zwischen Negation und Affirmation der Toposgeschichte, zwischen Nachahmung und Usurpation der biblischen Präfigurationen – das soll am Beispiel der russischen literarischen Avantgarde (neben Vladimir Majakovskij hier vor allem Aleksandr Blok und Konstantin Vaginov) untersucht werden.
Die Fragestellung des Seminars soll sich dabei nicht auf Aspekte der Intertextualität beschränken. Es scheint der Avantgarde in ihrem überspannten kulturrevolutionären Anspruch um mehr zu gehen als um die Aneignung von Texten durch Texte – nämlich um die 'barbaristische' Infragestellung eines Medialisierungsprinzips Schrift selbst.
Wenn Majakovskij der Erlöser ist, dann ist er es, indem er diesen Topos vom 'Buch' löst – vom Buch als pars pro toto eines von der Avantgarde in Frage gestellten Prinzips kultureller Tradition. Avantgardistischer Radikalismus würde sich damit stilisieren in die Hybris einer zweiten Inkarnation, einer Re-Inkarnation des durch die Schrifttradition ver-buchten Erlöser-Vorgängers.
Vorbereitende Lektüre:
- Majakovskij, Vladimir: Darüber. Poem. Russ./dt. Nachdichtung von Alfred Edgar Thoss. Leipzig 1985.
- Grigat-Everts, Senta: V. V. Majakovskij, "Pro eto". Übersetzung und Interpretation. München 1975.
- Masing Delic, Irene: Abolishing Death. A Salvation Myth of Russian Twentieth-Century Literature. Stanford/California (Stanford University Press) 1992.
- Vajskopf, Michail: Vo ves' logos. Religija Majakovskogo. Moskau, Jersualem 1997.
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