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31709 Vorlesung

Georg Witte

Mensch und Tier. Literatur und anthropologische Maschine


Mensch und Tier bilden seit der antiken Mythologie ein Reich der wechselseitigen Vertauschungen, Spiegelungen, Vermischungen und Verwandlungen. In sei es anthropomorphen, sei es theriomorphen Gestaltungen bevölkern sie Fabeln und Metamorphosen (von Ovid bis Kafka).

Wie verhalten sich diese literarischen Artikulationen des Verhältnisses von Tier und Mensch zu einer "anthropologischen Maschine" (Giorgio Agamben), die eine Exklusivität des Menschen durch – wissens- und imaginationsgeschichtlich immer neu motivierte - Zäsuren zwischen dem Humanen und dem Animalischen perpetuiert? Inwiefern ist Literatur selbst Teil dieses Diskurses? Inwiefern unterläuft sie ihn? Inwiefern können literarische Sprache und literarische Imagination ein "Tierwerden" (Deleuze/Guattari) denken lassen?

Solche Fragen sollen diskutiert werden am Beispiel einzelner motivisch-thematischer Komplexe und deren ideologischer Unterfütterungen (etwa vitalistische Konzepte des Stierkampfs oder der Jagd), am Beispiel perspektivischer Verdrehungen (Blick von Tieren auf die menschliche Welt, etwa bei Hoffmann, Gogol', Tolstoj, Bulgakov), am Beispiel "entstaltender" poetischer Tropen (vgl. etwa die Bildgeschichte der Fliegen in der russischen Literatur, vgl. die Poetik des Monströsen in der Moderne). Auch Explikationen des Themas in essayistisch-fiktionalen Mischformen (z. B. Coetzee) sollen berücksichtigt werden.


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