|
(Modul AVL 232c) 16413 PS
Sinnlichkeit und Fernweh: Abenteuerliteratur im Vergleich
Mi 12.00-14.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, JK 28/130
Beginn: 19. April 2006
Abenteuerliteratur handelt von der Sehnsucht nach unbekannten, geheimnisvollen fernen Orten jenseits der modernen Zivilisation: Sie verwandelt die unschuldigen 'weißen Flecken' adoleszenter Fantasien in die 'schwarzen Orte' der brutalen Welt der Erwachsenen. Gleichzeitig bietet sie mit den Reisen ins Ungewisse, im Kampf gegen die unwegsame Natur und andere feindliche Kräfte eine Welt der unmittelbaren Sinnlichkeit und Körperlichkeit, die der entfremdeten eigenen Gesellschaft entgegengesetzt wird: In den imaginären Geographien ferner Welten naturalisiert und normalisiert sie auf diese Weise die Konstruktionen einer imperialen und maskulinen Subjektivität. Als eines der populärsten Genres der Moderne entwickelt die Abenteuerliteratur seit dem 19. Jahrhundert hierbei ein bestimmtes Repertoire an Stoffen, Figuren und Motiven (u.a. auf Einsamen Inseln/Robinsonaden, bei Seereisen/Schiffsbruch, Reisen in den Dschungel, in Tier-Mensch-Beziehungen, Männerfreundschaften, Verlorenen Welten), mit deren Hilfe immer wieder aktuelle Ängste, Konflikte, Sehnsüchte und Wünsche neu fiktionalisiert werden. Diesen Tradierungen und deren kulturhistorischen Zusammenhängen soll anhand ausgewählter Textbeispiele insbesondere russischer und nordamerikanischer Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts nachgegangen werden (u.a. Aleksandr Bestužev-Marlinskij, James Fenimore Cooper, Valentin Kataev, Herman Melville, Edgar Allan Poe, Thomas Maine Reid, Konstantin Stanjukovič, Lev Tolstoj, Aleksej N. Tolstoj, Evgenij Vojskunskij/Issaj Lukodjanov).
Einführende Literatur:
Best, Otto F.: Abenteuer. Wonnetraum aus Flucht und Ferne. Geschichte und Deutung, Frankfurt a. M. 1980.
Eggebrecht, Harald: Sinnlichkeit und Abenteuer. Die Entstehung des Abenteuerromans im 19. Jahrhundert, Berlin u.a. 1985.
Phillips, Richard: Mapping Men &Empire. A Geography of Adventure, London u.a. 1997.
|