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16440 Proseminar

Rainer Falk

Was ist und zu welchem Ende betreibt man "critique génétique"?

Di 12.00-14.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/237 (Übungsraum)

Beginn: 18. April 2006

Wie entsteht ein Gedicht? Ein Drama? Ein Roman? Was sind textgenetische Prozesse? Wie lassen sie sich lesen, beschreiben, darstellen? Und vor allem: welche Folgen hat die Kenntnis dieser Prozesse für die Interpretation eines Werkes?
Critique génétique nennt sich eine Forschungsrichtung, die diesen Fragen nachgeht. Anhand überlieferter Schreibspuren – Notizen, Entwürfen, Arbeitsmanuskripten, Korrekturfahnen usw. – versuchen die généticiens, den schriftlichen Entstehungsprozeß literarischer Werke zu rekonstruieren. In Frankreich seit ihren Anfängen in den späten 1960er Jahren an den literaturwissenschaftlichen Fachbereichen zunehmend vertreten, wird die critique génétique in Deutschland allenfalls in der Editionswissenschaft zur Kenntnis genommen.
Das Seminar soll in Theorie und Praxis der critique génétique einführen. Dabei wird ihre Selbstpositionierung gegenüber der strukturalistischen und poststrukturalistischen Literaturwissenschaft und ihr Verhältnis zur deutschen Editionswissenschaft zu diskutieren sein. Nicht zuletzt soll hinter dieser Auseinandersetzung die Frage stehen, welche Erkenntnis- und Anwendungspotentiale die critique génétique für die eigene Lektüre und literaturwissenschaftliche Arbeit birgt.

Das Seminar richtet sich an Studierende der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und der Editionswissenschaft.

Zur Einführung geeignet: Almuth Grésillon: Eléments de critique génétique. Lire les manuscrits modernes, Paris 1994, bzw. Literarische Handschriften. Einführung in die „critique génétique“, Bern u.a. 1999.


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