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16 451 Übung
Claudia Hein
Theoretische Fiktion - spekulative Anthropologie - die Fiktion des Faktischen
Mi 14.00-16.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/139 (Übungsraum)
Beginn: 19. April 2006
Im Zentrum der Übung steht die Frage nach dem Zusammenhang von Psychoanalyse, Literatur und Geschichtsschreibung und ihren Formen der Wissensgenerierung. Drei verschiedene Begriffsprägungen, die ähnliche Denkmodelle für das vertrackte Verhältnis von Literatur und Wissen(schaft) generieren, sollen untersucht und verglichen werden.
Jean Starobinski arbeitet in La relation critique (1970) heraus, wie sich die Psychoanalyse als wissenschaftlicher Diskurs in engem Kontakt mit der Literatur herausgebildet hat. Den Freudschen Begriff der „theoretischen Fiktion“ macht Michel de Certeau in L’écriture de l'histoire (1975) und später in Histoire et psychanalyse entre science et fiction (1987) fruchtbar. Ausgehend von Freud kommt Certeau zu der These, dass die Literatur selbst logischer Diskurs der Geschichte sei, der wiederum Geschichte erst denkbar mache.
In diesem Zusammenhang soll den Überlegungen Hayden Whites zur „Fiktion des Faktischen“ nachgegangen werden. Die Annahme einer Prägung der Historiographie durch narrativ-fiktionale Muster ist in den Kontext einer generellen Skepsis gegenüber der Objektivität von Geschichtsschreibung einzubinden.
Eine Beschäftigung mit dem zeitgenössischen argentinischen Autor Juan José Saer wird die Thematik aus dem Blickwinkel der Literatur beleuchten. Saers Roman El entenado (1983) lässt sich einerseits im Kontext historiographischer Fiktionen lesen, andererseits versteht Saer selbst Literatur als „antropología especulativa“.
E-mail: claudia.hein@gulda.de
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