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16 461 Hauptseminar
Gert Mattenklott
Literaturtheorie in Metaphern (Gewebe, Architektur, Labyrinth, Quellcode)
Di 10.00-12.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, KL 29/209 (Änderung)
Beginn: 18. April 2006
Metaphern für Literatur konstituieren eine eigene Form von Theoriebildung. Ihr Auslegungsspielraum blockiert eine Verendlichung des Begriffs von Literatur. Tatsächlich lassen Diachronie und Synchronie von Literaturmetaphern eine Geschichte konkurrierender Vorstellungsbilder erkennen. In der Johannes-Apokalypse (Off. 10,9) muss der Apostel das Buch des Engels verschlungen haben, um selbst sprechen zu können. Ein anderes, lange gültiges Bild ist der Baukunst entlehnt: die Geschichte als Erkundung von Gebäuden oder Labyrinthen (von der Hypnerotomachia Polyphili des Francesco Colonna, Venedig 1499, bis zur Omnipräsenz des Bildes bei J.L.Borges oder den (unsichtbaren) Stadtbildern von Italo Calvino). Bereits bei Hugo kündigt sich aber eine Erosion der Architekturmetaphorik an, die bei Roland Barthes ein Echo in der Zuwendung zur Textilmetaphorik findet. Dieser Textualismus ist nicht das letzte Wort. Er steht anhaltend in einem Spannungsverhältnis zur Körper-Metaphorik.
In welchem Verhältnis stehen diese Metaphern zueinander? Illustrieren sie eine Theoriegeschichte in progess oder eine historische Anthropologie der Literatur; sind sie Ausdruck einer Flucht aus der Theorie oder einer performativen Entgrenzung von Literatur und Theorie?
Im Seminar werden Beispiele von der Antike bis in die Gegenwart besprochen.
Literatur:
- Gerhard Göbel: Poeta Faber. Heidelberg 1971
- Erika Greber: Textile Texte. Poetologische Metaphorik und Literaturtheorie: Studien zur Hermann Kern, Labyrinthe, Prestel-Verlag, München, 3. Aufl. 1995
- Labyrinthe. Philosophisch-literarische Modelle der Reflexion. Hrsg. Kurt Röttgers, Monika Schmitz-Emans. Essen 2000.
- Tradition des Wortflechtens und der Kombinatorik (Pictura et Poesis 9) Köln / Weimar / Wien, Böhlau, 2002.
- Patricia Oster: Der Schleier im Text. Funktionsgeschichte eines Bildes für die neuzeitliche Erfahrung des Imaginären. München, Fink, 2002.
- Jean-Luc Nancy: Corpus. Übersetzt aus dem Französischen von Nils Hodyas und Timo Obergöker. Diaphanes Verlag, Berlin 2003.
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