|
(Modul AVL 111b) 16401 GK
Einführung in die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Mi 16.00-18.00 Uhr
Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, JK 28/112
Beginn: 18. Oktober 2006
Im Zentrum der Einführung steht das literarische Schaffen von Heinrich von Kleist. An einigen ausgewählten Dramen und Erzählungen dieses Autors soll dargestellt werden, über welche Arbeits- und Interpretationsmethoden die Literaturwissenschaft verfügt und wo deren jeweilige Möglichkeiten und Grenzen liegen. Kleists Texte erscheinen für eine einführende Erläuterung des Methodenspektrums geradezu prädestiniert: Aufgrund ihrer dichten Struktur bieten sie reichhaltige Ansatzpunkte für die verschiedensten Zugangsweisen.
Zu Beginn des Seminars geht es darum, einen gewissen Überblick über Kleists Œuvre zu gewinnen und charakteristische Motive und Profile festzustellen. Neben einigen exemplarischen Dramen und Erzählungen sollen dabei die Aufsätze Über das Marionettentheater und Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden gelesen werden. Länger verweilen werden wir bei der Erzählung Das Erdbeben in Chili, für die die erwähnte Eignung als 'Demonstrationsobjekt' in besonderer Weise gilt - das zeigt sich u.a. in dem von David E. Wellbery herausgegebenen Band Positionen der Literaturwissenschaft (1985), der acht Modellanalysen dieses Textes versammelt und auf diese Weise die verschiedenen Vorgehensweisen veranschaulicht. Diese Interpretationen werden wir im Seminar nachvollziehen, nicht ohne jeweils die allgemeinen Aspekte der unterschiedlichen Diskurse zu beleuchten und mit zusätzlichen Theorietexten zu vertiefen.
In der zweiten Hälfte der Veranstaltung richtet sich das Augenmerk auf diejenigen Methoden, die im genannten Band noch nicht oder allenfalls in einem frühen Entwicklungsstadium repräsentiert sind. Das betrifft insbesondere Lektüreoptionen aus dem Umkreis von Dekonstruktion, New Historicism, Gender und Systemtheorie. Dabei wird in umgekehrter Weise vorgegangen: Anstatt die Arbeitsweisen an bereits vorliegenden Literaturanalysen zu explizieren, werden die Theoriehorizonte zunächst unabhängig von Kleists Erzählung dargestellt, so daß im zweiten Schritt eine selbstständige literaturwissenschaftliche Anwendung folgen kann. Die Seminarteilnehmer können dabei wählen, auf welche Theorieressourcen sie zurückgreifen und welchen literarischen Text sie dazu heranziehen wollen - entweder wiederum Das Erdbeben in Chili oder ein anderes Werk des Autors.
Das Seminar wird von einem Tutorium begleitet.
|