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(Modul AVL 131b) 16406 PS
Der historische Roman
Di 14.00-16.00 Uhr Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, L 113
Beginn: 17. Oktober 2006
Der historische Roman ist zweifelsohne eine der zentralen literarischen Gattungen des 19. Jahrhunderts. Walter Scott, der das Genre wohl nicht erfunden, aber doch entscheidend geprägt hat, war einer der am meisten gelesenen und imitierten Autoren seiner Zeit. Der historische Roman ist Ausdruck eines historistischen Zeitalters und gleichzeitig Dokument der Modernisierung, sowie der inneren Widersprüche des Nationalstaats.
Franco Moretti zufolge besitzt der historische Roman nicht nur eine zeitlich-historische, sondern auch eine räumlich-geographische Dimension, insofern es hier oft um die "Annexion einer internen Peripherie durch das zentrale Gebiet der Staatsnation" geht. Der narrative Impetus des historischen Romans illustriert anhand einer räumlichen Bewegung (zu einer "Grenze" hin) eine Bewegung in der Zeit, zwischen unterschiedlichen Epochen und Kulturen.
Dieses Seminar möchte zentrale Texte der Gattung in ihrem jeweiligen historischen und geographischen Kontext verorten. Zur Diskussion stehen insbesondere das Verhältnis von Zentrum und Peripherie; Nation und Geschlecht; historistischer Wahrscheinlichkeit und moralischem Idealismus (bzw. "Melodrama"); repräsentativem Individuum und Kollektiv/Masse; sowie Dekadenz und "Fortschritt."
Die behandelten Texte umfassen: Maria Edgeworth, Castle Rackrent (1800); Walter Scott, Waverley (1814); Honore de Balzac, Les Chouans (1829); Victor Hugo, Les Miserables (1862); C. F. Meyer, Jürg Jenatsch (1874); G. di Lampedusa, Il Gattopardo (1957). In einzelnen Fällen werden zum Vergleich auch relevante Beispiele aus Historienmalerei, Geschichtsphilosophie, Oper und Film herangezogen.
Zur Einführung:
Georg Lukacs, Der historische Roman; Franco Moretti, Atlas des europäischen Romans.
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