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(Modul AVL 221a) 16400 V/C
Literatur und Wissen
Do 16.00-18.00 Uhr Rost- / Silberlaube Habelschwerdter Allee 45, JK 29/118
Beginn: 19. Oktober 2006
Die Geschichte der Wissenschaften, vor allem auch der aturwissenschaften, erlebt seit einigen Jahren eine Hochkonjunktur. An die Stelle von Fortschrittsgeschichten über die großen Erfinder und Entdecker sind dabei texttheoretisch informierte und kulturwissenschaftlich interessierte Analysen von Wissensformationen in historischen Kontexten getreten. Obwohl ausgebildete Literaturwissenschaftler zu dieser Entwicklung viel beigetragen haben, sind die Funktionen literarischer Texte in solchen epistemischen Kontexten eher unterbelichtet worden. Die Vorlesung, in deren Rahmen auch viel Gelegenheit zur Diskussion gegeben wird, soll demgegenüber zeigen, dass wissenschaftshistorische Fragestellungen gerade auch in der Beschäftigung mit 'großen' Texten der Weltliteratur produktiv gemacht werden können. Am Horizont der Vorlesung steht dabei die Hypothese, dass Literatur nicht einfach das abstrakte Gegenteil zu den exakten Wissenschaften ist, sondern es etwas wie 'exakte Literatur' gibt. Probiersteine für diese Annahme kommen aus mehreren Epochen, Nationalliteraturen und Feldern des Wissens, z.B.: Wie genau läßt sich Dantes Hölle vermessen? Welches Interesse steckt hinter der Behauptung, Shakespeare sei mit Francis Bacon identisch? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen der von der 'Royal Society' propagierten 'New Science' und der englischen Literatur von Milton bis Swift? Wie unterscheidet sich die Sprache des Natuwissenschaftlers Goethe von derjenigen des Naturlyrikers gleichen Namens? – Zur Einführung in wissenschaftshistorische Fragestellungen: Michael Hagner (Hg.), Ansichten der Wissenschaftsgeschichte, Frankfurt a. M. 2001 (darin insbesondere der gleichnamige Aufsatz des Hg.); zu einer frühen und einflussreichen Reflexion des Verhältnisses von Literatur(wissenschaft) und Wissen: Platon, Ion.
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